Schweizer Zoos und Tierparks

Die Schweiz verfügt über eine bemerkenswert vielfältige Zoolandschaft. Trotz der vergleichsweise kleinen Landesfläche beherbergt das Land mehrere international anerkannte zoologische Einrichtungen, die sich durch hohe Tierhaltungsstandards, innovative Gehegekonzepte und ein starkes Engagement im Artenschutz auszeichnen. Die Schweizer Zoos sind in der Dachorganisation zooschweiz/zoosuisse zusammengeschlossen und arbeiten eng mit internationalen Verbänden wie der EAZA (European Association of Zoos and Aquaria) und der WAZA (World Association of Zoos and Aquariums) zusammen. Die folgenden Abschnitte stellen die wichtigsten zoologischen Einrichtungen der Schweiz vor und beleuchten deren Besonderheiten, Schwerpunkte und Bedeutung für Tierpfleger in Ausbildung.

Zoo Zürich

Der Zoo Zürich wurde 1929 eröffnet und ist heute einer der führenden Zoos Europas. Auf einer Fläche von rund 27 Hektar leben über 8000 Tiere aus etwa 320 Arten. Der Zoo verfolgt einen Entwicklungsplan, der bis 2050 elf grosse naturnahe Lebensräume vorsieht, die klassische Käfighaltung vollständig ablösen sollen.

Zu den herausragenden Anlagen gehören die Masoala Regenwaldhalle mit rund 11.000 Quadratmetern Fläche, die ein Stück madagassischen Regenwald nachbildet und über 50 Wirbeltierarten beherbergt. Der Kaeng Krachan Elefantenpark bietet auf 11.000 Quadratmetern den asiatischen Elefanten grosszügige Innen- und Aussenbereiche mit einer begehbaren Badelandschaft. Die 2020 eröffnete Lewa Savanne erstreckt sich über 5,6 Hektar und beherbergt 15 Tierarten, darunter Giraffen, Breitmaulnashörner, Grevyzebras und Tüpfelhyänen.

Der Zoo Zürich engagiert sich in acht Schwerpunkt-Artenschutzprojekten weltweit, darunter das Masoala-Projekt in Madagaskar (seit 1995), das Kaeng Krachan Projekt in Thailand und die Lewa Wildlife Conservancy in Kenia.

Ausführliches Porträt: Zoo Zürich

Zoo Basel (Zolli)

Der Zoo Basel, von den Einheimischen liebevoll "Zolli" genannt, wurde am 3. Juli 1874 eröffnet und ist damit der älteste Zoo der Schweiz. Trotz seiner vergleichsweise kompakten Fläche von rund 11 Hektar mitten in der Stadt hat der Zolli internationale Bekanntheit durch bedeutende Zuchterfolge erlangt. Besonders die Zucht von Panzernashörnern (Rhinoceros unicornis), Zwergflusspferden und Westlichen Flachlandgorillas machte den Zoo weltberühmt.

Das 2001 eröffnete Etoscha-Haus stellt den Nahrungskreislauf der afrikanischen Savanne dar: Pflanzen, Pflanzenfresser, Raubtiere und Aasfresser. Es beherbergt unter anderem Nashörner und Flusspferde. Das Affenhaus ermöglicht die Beobachtung verschiedener Primatenarten und ist ein wichtiger Ort für die Verhaltensforschung.

Das geplante Ozeanium, das als grösstes Aquarium der Schweiz den Meeresschutz ins Bewusstsein rücken sollte, wurde 2019 in einer Volksabstimmung von der Basler Bevölkerung abgelehnt. Der Zoo musste seine Zukunftspläne daraufhin neu ausrichten.

2024 feierte der Zoo Basel sein 150-jähriges Bestehen. Er ist Mitglied der EAZA und beteiligt sich an zahlreichen EEP-Zuchtprogrammen.

Ausführliches Porträt: Zoo Basel

Tierpark Bern (Dählhölzli und BärenPark)

Der Tierpark Bern besteht aus zwei Standorten: dem Dählhölzli und dem BärenPark. Im Dählhölzli leben über 200 Tierarten in naturnahen, grosszügigen Gehegen. Zu den Highlights gehören ein öffentlich zugänglicher Streichelzoo mit Zwergziegen, Minischweinen und Zwergeseln sowie ein Vivarium mit Affen, Schildkröten, Schlangen, Krokodilen und Fischen. Die Aquaristik-Abteilung zeigt verschiedene Süsswasser- und Meerwasserbiotope.

Der BärenPark am Fusse der Berner Altstadt ermöglicht seit 2009 eine tiergerechte Bärenhaltung. Die Bären leben nicht mehr im historischen Bärengraben, sondern in einer weitläufigen Anlage am Aareufer. Der BärenPark ist ganzjährig rund um die Uhr frei zugänglich.

Der Tierpark Bern ist 365 Tage im Jahr geöffnet und setzt auf Umweltbildung und die Vermittlung von Wissen über einheimische und exotische Tierarten.

Natur- und Tierpark Goldau

Der Natur- und Tierpark Goldau im Kanton Schwyz liegt in einem einzigartigen Bergsturzgebiet und erstreckt sich über rund 42 Hektar. Der Park konzentriert sich auf einheimische und ehemals einheimische Wildtiere und bietet grosszügige, naturnahe Lebensräume. Besucher können Hirsche, Steinböcke, Wölfe, Bären, Luchse und Wisente beobachten, teilweise in begehbaren Gehegen mit direktem Tierkontakt.

International bekannt ist Goldau für sein Engagement bei der Bartgeier-Auswilderung. Alle Bartgeier, die in der Schweiz ausgewildert werden, durchlaufen zunächst den Natur- und Tierpark Goldau, wo sie untersucht und markiert werden. Seit Projektbeginn wurden über 260 in Zoos geschlüpfte Jungvögel freigelassen, davon 12 aus Goldau. Dank dieses Programms leben heute wieder rund 400 Bartgeier in den Alpen, und 2024 schlüpften 24 Jungvögel in freier Wildbahn in der Schweiz.

Der Tierpark ist Mitglied zahlreicher internationaler Zuchtprogramme und wildert regelmässig Jungtiere aus, um wilde Populationen zu stärken.

Knies Kinderzoo (Rapperswil)

Knies Kinderzoo in Rapperswil am oberen Zürichsee wurde am 10. Juni 1962 von den Brüdern Fredy und Rolf Knie eröffnet, Vertreter der fünften Generation der berühmten Schweizer Zirkusfamilie. Der Zoo beherbergt rund 400 Tiere aus 44 Arten.

Eine Besonderheit von Knies Kinderzoo ist die Interaktion zwischen Besuchern und Tieren. Besucher können Affen füttern, Nashörner berühren, auf Kamelen reiten und Giraffen von einer Terrasse aus auf Augenhöhe begegnen. Der Himmapan Elefantenpark umfasst 6.500 Quadratmeter und ist ein Herzstück der Anlage.

Der Zoo ist saisonal von März bis Oktober geöffnet und verbindet Unterhaltung mit Bildung. Er richtet sich besonders an Familien mit Kindern und vermittelt spielerisch Wissen über Tiere und deren Bedürfnisse.

Walter Zoo (Gossau SG)

Der Walter Zoo in Gossau im Kanton St. Gallen ist ein wissenschaftlich geführter Zoo und Mitglied der WAZA, EAZA, des VdZ (Verband der Zoologischen Gärten), von zooschweiz und der IUCN. Rund 1000 Tiere aus etwa 100 Arten leben im Zoo, der jährlich rund 275.000 Besucher empfängt.

Zu den Bewohnern gehören Sibirische Tiger, Berberlöwen, Schimpansen, Kleine Pandas, Zwergotter, Zebras, Trampeltiere, Vikunjas, Flamingos, Papageien, Erdmännchen und Faultiere sowie verschiedene Reptilien und Amphibien. Ein besonderes Angebot ist das Zootheater mit täglichen Aufführungen und regelmässigem Greifvogel-Flugtraining.

Der Walter Zoo bildet auch Tierpfleger EFZ in der Fachrichtung Wildtiere aus und ist damit ein wichtiger Ausbildungsbetrieb für angehende Zootierpfleger in der Ostschweiz.

Papiliorama (Kerzers)

Das Papiliorama in Kerzers im Kanton Freiburg ist der grösste Schmetterlingsgarten der Schweiz und ein einzigartiger Erlebnisort für tropische Biodiversität. Die Einrichtung besteht aus mehreren Bereichen:

Das Papiliorama wurde 2003 von seinem ursprünglichen Standort nach Kerzers umgesiedelt, um mehr Platz für die wachsenden Ausstellungen zu schaffen. Die Stiftung Papiliorama engagiert sich auch für den Schutz tropischer Regenwälder.

Wildnispark Zürich (Sihlwald und Langenberg)

Der Wildnispark Zürich besteht aus zwei Standorten: dem Langenberg Wildtierpark in Langnau am Albis und dem Sihlwald Naturerlebnispark. Beide sind kostenlos zugänglich.

Im Langenberg leben 19 einheimische und ehemals einheimische Säugetierarten. Besucher können Steinböcke, Wölfe, Bären, Hirsche, Wisente und Luchse in naturnahen Gehegen beobachten. Der Wildtierpark existiert seit 1869 und ist damit einer der ältesten Tierparks der Schweiz.

Der Sihlwald ist das grösste Naturwaldreservat des Kantons Zürich und gehört zu den 20 Schweizer Pärken von nationaler Bedeutung. Der Naturerlebnispark bietet ein Besucherzentrum mit einer Ausstellung über den Sihlwald, einen Wildnisspielplatz und ein Fischottergehege. Der Wald wird seit dem Jahr 2000 nicht mehr bewirtschaftet und entwickelt sich zu einem Naturwald zurück.

Der Wildnispark Zürich vermittelt eindrücklich, wie sich Natur ohne menschlichen Eingriff entwickelt, und ist ein hervorragender Lernort für die Ökologie einheimischer Wildtiere.

Besonderheiten der Schweizer Tierhaltung

Die Schweiz hat weltweit eines der strengsten Tierschutzgesetze. Die Schweizer Tierschutzverordnung (TSchV) legt detaillierte Mindestanforderungen für die Haltung von Wild- und Zootieren fest, die in vielen Bereichen über die Vorgaben anderer europäischer Länder hinausgehen. Dazu gehören Mindestgehegegrössen, Strukturierungsvorgaben, Klimaanforderungen und Beschäftigungsmöglichkeiten.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) überwacht die Einhaltung der Vorschriften. Zoologische Einrichtungen benötigen eine kantonale Bewilligung und werden regelmässig kontrolliert. Die Schweizer Zoos haben sich zudem freiwillig in der Organisation zooschweiz zusammengeschlossen, die eigene, oft noch strengere Standards setzt.

Schweizer Tierschutzgesetz im Vergleich

Die Schweiz war 1992 das erste Land der Welt, das den Tierschutz in die Bundesverfassung aufnahm (Art. 80 BV). Die Würde des Tieres ist gesetzlich geschützt, was bedeutet, dass nicht nur Leiden vermieden, sondern auch die artspezifischen Bedürfnisse der Tiere berücksichtigt werden müssen. Für Zootierpfleger in Ausbildung ist die Kenntnis der schweizerischen Tierschutzgesetzgebung besonders wichtig, da sie den Rahmen für alle Haltungs- und Pflegeentscheidungen bildet.

Ausbildungsmöglichkeiten in der Schweiz

Die Ausbildung zum Tierpfleger oder zur Tierpflegerin in der Schweiz dauert drei Jahre und führt zum eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ). Es stehen drei Fachrichtungen zur Wahl: Heimtierpflege, Wildtierpflege und Versuchstierpflege.

Die Ausbildung in der Fachrichtung Wildtiere erfolgt dual: Die Lernenden arbeiten den Grossteil der Woche im Lehrbetrieb (Zoo oder Tierpark) und besuchen einen Tag pro Woche die Berufsfachschule am Strickhof in Winterthur-Wülflingen. Im dritten Lehrjahr finden bestimmte Berufsschultage am BBZ in Olten statt.

Ausbildungsbetriebe für die Fachrichtung Wildtiere sind unter anderem der Zoo Zürich, der Zoo Basel, der Tierpark Bern, der Walter Zoo Gossau und der Natur- und Tierpark Goldau. Der Berufsverband SVBT (Schweizerischer Verband für Bildung in Tierpflege) koordiniert die Ausbildung und vertritt die Interessen der Tierpfleger in der Schweiz.

Tierpfleger EFZ Fachrichtung Wildtiere sind für bestimmte Tierarten oder Reviere zuständig und gewährleisten die artgerechte Haltung, Fütterung, Pflege und Beobachtung der ihnen anvertrauten Tiere. Sie arbeiten eng mit Tierärzten, Kuratoren und Artenschutzkoordinatoren zusammen.

Quellen und weiterführende Links