Besuchermanagement und Besucherlenkung im Zoo

Ein zoologischer Garten ist gleichzeitig eine Tierhaltungseinrichtung und ein öffentlich zugänglicher Freizeitort. Das Besuchermanagement muss beide Aspekte in Einklang bringen: den Schutz und das Wohlbefinden der Tiere einerseits sowie ein positives, sicheres und lehrreiches Erlebnis für die Besucher andererseits. Tierpfleger stehen dabei an der Schnittstelle zwischen Tier und Mensch und haben eine zentrale Rolle in der Umsetzung von Besucherkonzepten.

Besucherströme und Kapazitäten

Die Steuerung von Besucherströmen ist entscheidend für die Sicherheit, das Tierwohl und die Besucherzufriedenheit. Überfüllte Bereiche führen zu Stress bei Tieren und Besuchern gleichermaßen.

Kapazitätsplanung

Bereich Kapazitätsfaktoren Maßnahmen bei Überschreitung
Gesamtgelände Maximale Tagesbesucherzahl basierend auf Wegenetz, Sanitäranlagen, Parkplätzen Einlassstopp, Online-Ticketing mit Zeitfenstern, Hinweistafeln an Zufahrtsstraßen
Tierhäuser (Innengehege) Raumgröße, Belüftung, Fluchtwegbreite, Lärmempfindlichkeit der Tiere Einlassbegrenzung durch Drehkreuze oder Personal, Einbahnstraßenregelung
Begehbare Gehege Stresstoleranzschwelle der Tierart, Fluchtdistanz, Verletzungsrisiko Maximale Personenzahl festlegen, Schleusensystem, Aufsicht durch Personal
Spielplätze und Gastronomie Platzverhältnisse, Sicherheitsnormen, Sitzkapazität Wartezeiten kommunizieren, Alternativbereiche ausweisen

Besucherlenkung im Gelände

Ruhezonen für Tiere

Tiere benötigen Rückzugsmöglichkeiten, in denen sie vor Besucherblicken und Lärm geschützt sind. Die Einrichtung von Ruhezonen ist eine Grundanforderung der EU-Zoorichtlinie und ein wichtiger Aspekt des Tierwohls.

Gestaltung von Ruhezonen

Fluchtdistanz als Planungsgrundlage

Die Fluchtdistanz beschreibt den Abstand, ab dem ein Tier bei Annäherung die Flucht ergreift. Bei der Gehegegestaltung muss die artspezifische Fluchtdistanz berücksichtigt werden. Ruhezonen müssen so weit vom Besucherweg entfernt sein, dass die Tiere die Fluchtdistanz einhalten können, ohne an eine Gehegebegrenzung zu stoßen. Bei Tieren mit großer Fluchtdistanz (Antilopen, Kraniche) sind entsprechend größere Gehege und weiter zurückgesetzte Besucherwege erforderlich.

Sicherheitsbarrieren und Absperrungen

Die Absicherung zwischen Besucher und Tier ist ein zentrales Element der Zoogestaltung. Barrieren müssen gleichzeitig sicher sein, den Tieren gerecht werden und ein gutes Besuchererlebnis ermöglichen.

Barrieretypen

Barrieretyp Geeignet für Vorteile Nachteile
Trockengräben Großkatzen, Bären, Primaten, Huftiere Natürliches Erscheinungsbild, freie Sicht, keine Gitter Hoher Platzbedarf, Verletzungsgefahr bei Sturz in den Graben
Wassergräben Primaten (die nicht schwimmen), Huftiere Ästhetisch ansprechend, natürliche Barriere Ertrinkunsgefahr für Jungtiere, Algenbildung, Reinigungsaufwand
Glasscheiben Großkatzen, Aquarien, Reptilienhäuser Ungehinderte Sicht, Nähe zum Tier möglich Kostenintensiv, Reflexionen, Beschlagen, Reinigungsaufwand
Maschendraht / Gitter Vögel, Affen, Kleinraubtiere Kostengünstig, variabel einsetzbar Optisch wenig ansprechend, Fütterung durch Besucher möglich
Elektrozäune Elefanten, Nashörner, Wisente Geringe optische Beeinträchtigung, effektive Abschreckung Stromausfall-Risiko, Gefahr für Besucher bei Berührung
Hecken und Pflanzungen Ergänzung zu anderen Barrieren, begehbare Gehege Natürlich, ästhetisch, doppelte Funktion als Sichtschutz Pflege erforderlich, allein nicht ausreichend sicher

Sicherheitsabstand und Übersteigschutz

Alle Absperrungen zu gefährlichen Tieren müssen so gestaltet sein, dass ein Besucher nicht hinüberklettern oder hindurchgreifen kann. Vor Glasscheiben und Gräben ist ein Besucherabstandsgeländer vorgeschrieben. Die Mindestabstände richten sich nach der Gefahrenstufe des Tieres und sind in den einschlägigen Gutachten und Zoorichtlinien festgelegt. Regelmäßige Kontrollen der Barrieren auf Beschädigungen, Korrosion und Unterspülungen sind Pflicht.

Fütterungen und Tierpräsentationen

Kommentierte Fütterungen und Tierpräsentationen gehören zu den beliebtesten Angeboten eines Zoos. Sie bieten die Möglichkeit, Besuchern Wissen über Tierarten, Artenschutz und Biologie zu vermitteln.

Grundsätze für Tierpräsentationen

Rolle des Tierpflegers

Barrierefreiheit

Ein moderner Zoo muss für alle Menschen zugänglich sein, unabhängig von körperlichen oder kognitiven Einschränkungen. Die Barrierefreiheit ist nicht nur eine gesetzliche Pflicht (Behindertengleichstellungsgesetz, BGG), sondern auch ein Ausdruck des gesellschaftlichen Auftrags zoologischer Gärten.

Maßnahmen zur Barrierefreiheit

Beschwerdemanagement

Ein professionelles Beschwerdemanagement ist ein Qualitätsmerkmal und bietet die Chance, aus Besucherfeedback zu lernen und den Zoobetrieb zu verbessern.

Ablauf der Beschwerdebearbeitung

Häufige Beschwerdethemen

Die häufigsten Beschwerden in Zoos betreffen die Gehegegestaltung (zu klein wahrgenommene Gehege), nicht sichtbare Tiere, Sauberkeit der Sanitäranlagen, Gastronomiepreise und wahrgenommenes Tierleid. Tierpfleger sollten sachlich und freundlich auf solche Anliegen eingehen. Insbesondere bei Fragen zur Tierhaltung ist es wichtig, die Hintergründe zu erklären (z.B. warum ein Tier gerade im Innengehege ist, warum ein Gehege größer ist als es auf den ersten Blick wirkt).

Besucherordnung und Verhaltensregeln

Die Besucherordnung (auch Zooordnung oder Hausordnung) regelt das Verhalten der Besucher im Zoo und schützt Tiere, Besucher und Mitarbeiter gleichermaßen.

Typische Inhalte der Besucherordnung

Durchsetzung der Regeln

Unerlaubtes Füttern als unterschätztes Risiko

Das Füttern durch Besucher ist eines der häufigsten und gleichzeitig gefährlichsten Probleme im Zoo. Brot, Süßigkeiten, Chips und andere menschliche Lebensmittel können bei Zootieren schwere Verdauungsstörungen, Fettleibigkeit und Mangelernährung verursachen. Bei Primaten und Bären führt das Füttern durch Besucher zu bettelndem Verhalten und erhöhter Aggressivität. Tierpfleger sollten Besucher sachlich auf die Gefahren hinweisen und bei Bedarf Hilfe von Sicherheitspersonal anfordern.

Quellen und weiterführende Literatur

Wissen testen: Besuchermanagement