Haltung nachtaktiver Tiere

Nachtaktive Tiere stellen zoologische Einrichtungen vor besondere Herausforderungen. Ihr natürlicher Aktivitätszyklus liegt in den Dunkelstunden, was bedeutet, dass sie für Besucher während der regulären Öffnungszeiten kaum sichtbar wären. Die Lösung ist die Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus in speziellen Nachtierhäusern (Noctarien). Diese technisch aufwändigen Anlagen simulieren Nachtbedingungen während des Tages und Tageslicht während der tatsächlichen Nacht, sodass die Tiere in ihrer aktiven Phase für die Besucher erlebbar sind.

Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus

Die Invertierung des Lichtrhythmus ist das zentrale Prinzip der Nachtierhaltung im Zoo. Der zirkadiane Rhythmus der Tiere wird durch kontrollierte Lichtsteuerung um 12 Stunden verschoben.

Funktionsprinzip eines Noctariums

Adaptionszeit bei Neuzugängen

Tiere, die neu in ein Noctarium einziehen, benötigen eine schrittweise Umstellung über 7 bis 14 Tage. Der Lichtrhythmus wird täglich um 1 bis 2 Stunden verschoben, bis die vollständige Invertierung erreicht ist. Eine abrupte Umstellung führt zu Stress, Nahrungsverweigerung und Verhaltensauffälligkeiten.

Beleuchtungstechnik

Lichtarten im Noctarium

Lichtart Wellenlänge Einsatz Wirkung auf Tiere
Rotlicht 620 bis 700 nm Klassische Noctarium-Beleuchtung Für die meisten Säugetiere unsichtbar, da sie keine Rotrezeptoren haben. Tiere verhalten sich wie in Dunkelheit.
Mondlichtspektrum Bläulich-weiss, sehr geringe Intensität (0,1 bis 1 Lux) Moderne Noctarien, natürlichere Darstellung Simuliert natürliches Mondlicht. Ermöglicht den Tieren Orientierung wie in der Natur.
LED-Systeme Programmierbar Flexible Steuerung von Dämmerungsphasen Stufenlose Dimmung möglich. Verschiedene Farbtemperaturen für Tag- und Nachtphasen.
UV-freies Tageslicht Vollspektrum ohne UV Simulation der Tagphase (Ruhephase der Tiere) Ermöglicht den Tieren einen erkennbaren Tag-Nacht-Wechsel.

Vorsicht bei der Wahl des Lichtspektrums

Nicht alle nachtaktiven Tiere sind rotlichtblind. Einige Tiefseefische und bestimmte Froscharten können rotes Licht wahrnehmen. Nachtaffen (Aotus) sehen ebenfalls im langwelligen Bereich. Vor der Einrichtung eines Noctariums muss die Lichtempfindlichkeit jeder gehaltenen Art geprüft werden. Im Zweifelsfall ist Infrarotlicht (über 700 nm, für Säugetiere unsichtbar) in Kombination mit Infrarotkameras eine Alternative für die Beobachtung.

Typische nachtaktive Zootiere

Loris (Nycticebus, Loris)

Fingertier (Daubentonia madagascariensis)

Fledermäuse (Chiroptera)

Nachtaffen (Aotus)

Gehegeanforderungen und Klimatisierung

Bauliche Anforderungen an ein Noctarium

Gehegegestaltung

Fütterung und Pflege bei umgekehrtem Rhythmus

Besucherführung in Nachtierhäusern

Verhaltensbeobachtung bei Dunkelheit

Quellen und weiterführende Literatur

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