Haltungsgutachten und Mindestanforderungen

Die Haltungsgutachten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) konkretisieren die allgemeinen Anforderungen des § 2 Tierschutzgesetz für einzelne Tiergruppen. Sie beschreiben die Mindestanforderungen an Gehegegrössen, Klimabedingungen, Sozialstruktur und Einrichtung. Die Gutachten sind zwar keine Rechtsverordnungen im formellen Sinne, werden aber von Gerichten und Behörden als massgeblicher Beurteilungsmassstab herangezogen und haben dadurch de facto bindende Wirkung.

Rechtliche Einordnung

Die Haltungsgutachten sind sogenannte "normkonkretisierende Verwaltungsvorschriften". Sie binden die Behörden bei der Auslegung des § 2 TierSchG. Gerichte legen die Gutachten regelmäßig als Mindeststandard zugrunde. Unterschreitungen müssen im Einzelfall besonders begründet werden. EAZA-Standards und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse können über die Gutachten hinausgehen.

Säugetiergutachten (BMEL 2014)

Das "Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren" wurde 2014 vom BMEL veröffentlicht und löste das ältere Gutachten von 1996 ab. Es enthält detaillierte Vorgaben für über 200 Säugetierarten und ist das umfangreichste der Haltungsgutachten.

Allgemeine Grundsätze

Mindestanforderungen Grosskatzen

Art Aussengehege Innengehege Zuschlag je Tier Besonderheiten
Löwe (Panthera leo) 200 m2 (Paar) 20 m2 je Tier 20 m2 aussen Gruppenhaltung (1 Kater, mehrere Katzen), Kletterstamm, Wasserbecken
Tiger (Panthera tigris) 200 m2 (Paar) 20 m2 je Tier 20 m2 aussen Einzelhaltung oder Paarhaltung, Badebecken (mind. 8 m2), erhöhte Liegeplätze
Leopard (Panthera pardus) 100 m2 (Paar) 15 m2 je Tier 15 m2 aussen Einzelhaltung oder Paarhaltung, Kletterbaum, erhöhte Liegeplattformen, Höhe mind. 3 m
Jaguar (Panthera onca) 150 m2 (Paar) 15 m2 je Tier 15 m2 aussen Badebecken erforderlich, Klettermöglichkeiten, feuchtwarmes Innengehege
Schneeleopard (Panthera uncia) 100 m2 (Paar) 15 m2 je Tier 15 m2 aussen Klettermöglichkeiten bis 4 m Höhe, kühle Temperaturen bevorzugt
Gepard (Acinonyx jubatus) 500 m2 (Paar) 15 m2 je Tier 50 m2 aussen Grosse Lauffläche erforderlich, erhöhte Aussichtspunkte, sandiger Untergrund

Mindestanforderungen Elefanten

Art Aussengehege Innengehege Zuschlag je Tier Besonderheiten
Afrikanischer Elefant (Loxodonta africana) 2.000 m2 (Gruppe bis 4 Tiere) 200 m2 (Gruppe) 500 m2 aussen je weiteres Tier Mindestens 3 Kühe, Sandbad, Badebecken, Scheürbaum, Bodenheizung innen
Asiatischer Elefant (Elephas maximus) 2.000 m2 (Gruppe bis 4 Tiere) 200 m2 (Gruppe) 500 m2 aussen je weiteres Tier Soziale Kuhgruppe, Bullenhaltung separat, Bademöglichkeit, elastischer Boden innen

Elefantenhaltung im Wandel

Die Mindestanforderungen für Elefanten werden seit Jahren intensiv diskutiert. Viele moderne Zoos gehen deutlich über die Mindestmasse hinaus. Protected Contact (geschützter Kontakt) hat sich als Standard gegenüber dem früheren Free Contact (direkter Kontakt) durchgesetzt. Die EAZA Best Practice Guidelines empfehlen für eine Zuchtgruppe von 4 bis 6 Kühen mindestens 5.000 m2 Aussenfläche.

Mindestanforderungen Primaten

Art Aussengehege Innengehege Zuschlag je Tier Besonderheiten
Gorilla (Gorilla gorilla) 500 m2 (Gruppe bis 5 Tiere) 100 m2 (Gruppe) 20 m2 aussen Familiengruppe (1 Silberrücken, mehrere Weibchen), Nestmaterial, Kletterstruktur
Schimpanse (Pan troglodytes) 500 m2 (Gruppe bis 5 Tiere) 100 m2 (Gruppe) 20 m2 aussen Grosse Gruppe (mindestens 5 Tiere), Kletterbaum, Werkzeuggebrauch, Nestbau
Orang-Utan (Pongo spp.) 300 m2 (Paar) 80 m2 (Paar) 20 m2 aussen Kletterstrukturen bis 6 m Höhe, Seile, Hängematten, Nestmaterial, hohe Luftfeuchtigkeit
Pavian (Papio spp.) 300 m2 (Gruppe bis 10 Tiere) 50 m2 (Gruppe) 10 m2 aussen Grosse Gruppe, Kletterfelsen, Sichtbarrieren, Schlafplätze in der Höhe
Totenkopfaffe (Saimiri spp.) 30 m2 (Gruppe bis 10 Tiere) 20 m2 (Gruppe) 2 m2 aussen Grosse Gruppe (mindestens 5 Tiere), Kletteräste, Wärmelampe, Insektenfutter

Klimaanforderungen

Das Säugetiergutachten enthält detaillierte Klimavorgaben:

Tiergruppe Temperatur innen Luftfeuchtigkeit Besonderes
Tropische Primaten 18 bis 25 Grad C 50 bis 70 Prozent Frostfreie Innenanlagen zwingend
Grosskatzen (tropisch) 15 bis 25 Grad C 40 bis 60 Prozent Beheizte Innenanlagen im Winter
Elefanten 15 bis 24 Grad C 40 bis 70 Prozent Bodenheizung, keine Zugluft, Staubbad
Arktische/subarktische Arten Bis 15 Grad C Variabel Kühlmöglichkeiten im Sommer, Schatten
Fledermäuse 18 bis 28 Grad C (artabhängig) 60 bis 90 Prozent Nachthaus, umgekehrter Tag-Nacht-Rhythmus

Soziale Haltung

Das Säugetiergutachten betont die Bedeutung artgemässer Sozialstrukturen:

Reptiliengutachten (BMEL)

Das "Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien" enthält Vorgaben für Terrariengrössen, die als Vielfache der Körperlänge (KRL bei Echsen und Schildkröten) oder Gesamtlänge (GL bei Schlangen) berechnet werden. Dieses System erlaubt eine flexible Anpassung an die tatsächliche Größe des jeweiligen Individuums.

Berechnungsformeln für Terrariengrössen

Abkürzungen

KRL = Kopf-Rumpf-Länge (bei Echsen und Schildkröten, ohne Schwanz gemessen)
GL = Gesamtlänge (bei Schlangen, von Schnauze bis Schwanzspitze)
PL = Panzerlänge (bei Schildkröten)
Die Angabe erfolgt in der Reihenfolge: Länge x Breite x Höhe

Mindestgrössen nach Lebensweise

Lebensweise Terrariengrösse (L x B x H) Beispielarten
Bodenlebende Echsen 5 x 4 x 3 KRL Bartagame, Steppenwaran, Blauzungenskink
Kletternde Echsen 4 x 3 x 5 KRL Chamäeleons, Taggeckos, Grüner Leguan
Grabende Echsen 5 x 4 x 2 KRL Skinke, Blindschleichen
Bodenlebende Schlangen 1 x 0,5 x 0,75 GL Königspython, Kornnatter, Boa constrictor
Kletternde Schlangen 0,75 x 0,5 x 1 GL Grüner Baumpython, Smaragdboa
Wasserschildkröten Wasserfläche: 8 x 4 PL, Wassertiefe: 2 PL Rotwangen-Schmuckschildkröte, Moschusschildkröte
Landschildkröten 8 x 4 PL Grundfläche Griechische Landschildkröte, Breitrandschildkröte
Krokodile (bis 1,5 m) Wasserfläche: 5 x 3 KRL, Landteil: 3 x 3 KRL Stumpfkrokodil, Braünkaiman
Krokodile (über 1,5 m) Wasserfläche: 4 x 3 KRL, Landteil: 2 x 2 KRL Nilkrokodil, Leistenkrokodil, Mississippi-Alligator

Berechnungsbeispiel

Beispiel: Bartagame (Pogona vitticeps)

Eine ausgewachsene Bartagame hat eine KRL von ca. 25 cm.
Terrariengrösse (bodenlebend): 5 x 4 x 3 KRL = 125 x 100 x 75 cm
Für jedes weitere Tier: 15 Prozent Zuschlag auf die Grundfläche
Für ein Pärchen: 125 x 115 x 75 cm

Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Herkunftsgebiet Temperatur Tag Temperatur Nacht Sonnenplatz Luftfeuchtigkeit
Tropischer Regenwald 25 bis 30 Grad C 22 bis 25 Grad C 35 bis 40 Grad C 70 bis 90 Prozent
Trockensavanne/Wüste 28 bis 35 Grad C 20 bis 24 Grad C 40 bis 50 Grad C 30 bis 50 Prozent
Subtropisch 24 bis 28 Grad C 18 bis 22 Grad C 35 bis 40 Grad C 50 bis 70 Prozent
Mediterran 22 bis 28 Grad C 15 bis 20 Grad C 35 bis 40 Grad C 40 bis 60 Prozent

UV-Bedarf

Für viele Reptilienarten ist UV-B-Strahlung essentiell für die Vitamin-D3-Synthese und den Calciumstoffwechsel:

Papageiengutachten

Das "Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien" regelt die Haltung aller Psittaciformes (Papageienvögel). Es gilt sowohl für Zoos als auch für private Halter.

Grundsätze der Papageienhaltung

Mindestgrössen für Papageienvolieren (Paarhaltung)

Artgruppe Voliere (L x B x H) Zuschlag je Paar Beispielarten
Grosse Aras 4 x 2 x 2 m 50 Prozent Hellroter Ara, Gelbbrustara, Hyazinth-Ara
Grosse Kakadus 4 x 2 x 2 m 50 Prozent Gelbhaubenkakadu, Molukkenkakadu, Rosakakadu
Amazonen 3 x 1,5 x 2 m 50 Prozent Blaustirnamazone, Gelbscheitelamazone, Venezülaamazone
Graupapageien 3 x 1,5 x 2 m 50 Prozent Kongo-Graupapagei, Timneh-Graupapagei
Grosssittiche 3 x 1 x 2 m 50 Prozent Nymphensittich, Alexandersittich, Halsbandsittich
Kleinsittiche 1,5 x 0,8 x 1 m 50 Prozent Wellensittich, Agaporniden, Sperlingspapageien

Einzelhaltung von Papageien

Die Einzelhaltung von Papageien ist als tierschutzwidrig einzustufen und wird von Gerichten zunehmend untersagt. Papageien sind hochsoziale Tiere, die auf die Gesellschaft von Artgenossen angewiesen sind. Auch sprachbegabte oder stark auf den Menschen fixierte Tiere benötigen Artgenossen. Die Vergesellschaftung muss fachkundig begleitet werden.

Mindestanforderungen an die Haltung von Ziervögeln

Das Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Kleinvögeln ergänzt das Papageiengutachten und umfasst alle gängigen Ziervogelarten:

Gutachten zu Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen

Dieses Gutachten regelt die Haltung von Greifvögeln (Accipitriformes, Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) in Zoos, Falknereien und bei privaten Haltern.

Mindestgrössen für Greifvogelvolieren (Paarhaltung)

Artgruppe Voliere (L x B x H) Besonderheiten
Grosse Adler (Steinadler, Seeadler) 6 x 3 x 3 m Horstplattform, natürliche Sitzäste, Badebecken
Mittlere Greifvögel (Bussard, Milan) 4 x 2 x 2,5 m Sitzäste in verschiedenen Höhen, Badebecken
Falken 3 x 2 x 2,5 m Freie Flugbahn, Sanduntergrund, UV-durchlässige Abdeckung
Grosse Eulen (Uhu) 5 x 3 x 3 m Dunkle Rückzugsbereiche, erhöhte Sitzplätze
Kleine Eulen (Steinkauz, Waldkauz) 3 x 1,5 x 2 m Nisthöhle, dichte Bepflanzung, erhöhte Sitzwarten
Geier 8 x 4 x 4 m Felsstruktur, Bruthöhle/-nische, grosse Flugvoliere bevorzugt

Besondere Anforderungen

Weitere Säugetiere im Säugetiergutachten

Mindestanforderungen Bären

Art Aussengehege Innengehege Zuschlag je Tier Besonderheiten
Braunbär (Ursus arctos) 600 m2 (Paar) 20 m2 je Tier 50 m2 aussen Badebecken (mind. 12 m2), Grabmöglichkeit, Kletterbaum, Schlafbox, Winterruhe ermöglichen
Eisbär (Ursus maritimus) 600 m2 (Paar) 20 m2 je Tier 50 m2 aussen Tiefes Schwimmbecken (mind. 50 m3), Kühlmöglichkeiten, Beschattung im Sommer, Eisflächen im Winter wünschenswert
Malaienbär (Helarctos malayanus) 300 m2 (Paar) 15 m2 je Tier 30 m2 aussen Klettermöglichkeiten (guter Kletterer), frostfreies Innengehege, Wasserbecken
Lippenbär (Melursus ursinus) 400 m2 (Paar) 15 m2 je Tier 40 m2 aussen Grabmöglichkeiten, Kletterbaum, frostfreies Innengehege, Termitenhügel oder äquivalente Enrichment-Einrichtungen

Mindestanforderungen Giraffen und Flusspferde

Art Aussengehege Innengehege Zuschlag je Tier Besonderheiten
Giraffe (Giraffa camelopardalis) 1.000 m2 (Gruppe bis 4 Tiere) 100 m2 (Gruppe), Deckenhöhe mind. 5,5 m 200 m2 aussen Sandiger Boden, erhöhte Futterstellen, Abtrennmöglichkeiten für Kälber, Schlammsuhle, Schattendächer
Flusspferd (Hippopotamus amphibius) 500 m2 Landfläche + 100 m2 Wasserfläche (Paar) 40 m2 + beheiztes Innenbecken (mind. 30 m2, Tiefe 1,5 m) 50 m2 Land + 20 m2 Wasser Tiefes Aussenbecken (mind. 1,5 m), flacher Einstieg, Bodenheizung im Innenbereich, Wassertemperatur mind. 20 Grad C
Zwergflusspferd (Choeropsis liberiensis) 200 m2 + 30 m2 Wasserfläche (Paar) 20 m2 + Innenbecken 30 m2 Land Einzelgänger, Zusammenführung nur zur Paarung, dichter Bewuchs als Sichtschutz

Mindestanforderungen Wölfe und Caniden

Art Aussengehege Innengehege Zuschlag je Tier Besonderheiten
Wolf (Canis lupus) 500 m2 (Rudel bis 4 Tiere) Beheizbarer Unterstand je Tier 50 m2 aussen Rudelhaltung obligatorisch, Sichtbarrieren, Grabmöglichkeit, Wurfhöhle, mindestens 2 m hoher Zaun mit Überkletterschutz
Afrikanischer Wildhund (Lycaon pictus) 800 m2 (Rudel bis 6 Tiere) Beheizbarer Unterstand 50 m2 aussen Rudelhaltung (mind. 4 Tiere), frostfreier Rückzugsbereich, grosse Lauffläche
Rotfuchs (Vulpes vulpes) 30 m2 (Paar) Frostfreier Unterschlupf 5 m2 aussen Grabmöglichkeit, Kletterstrukturen, Erdbau als Rückzug

Mindestanforderungen Robben und Seelöwen

Art Beckengrösse Landfläche Zuschlag je Tier Besonderheiten
Seehund (Phoca vitulina) 100 m2 Wasserfläche, Tiefe mind. 1,5 m (Gruppe bis 4 Tiere) 50 m2 Landfläche (Liegeplätze) 10 m2 Wasser + 5 m2 Land Meerwasser oder Süsswasser, Strömung erwünscht, Sonnenplätze, Abtrennmöglichkeit für Jungtieraufzucht
Kalifornischer Seelöwe (Zalophus californianus) 150 m2 Wasserfläche, Tiefe mind. 2 m (Gruppe bis 5 Tiere) 80 m2 Landfläche 15 m2 Wasser + 10 m2 Land Tiefbecken für Tauchverhalten, Liegeplattformen in verschiedenen Höhen, Kletterfelsen
Kegelrobbe (Halichoerus grypus) 150 m2 Wasserfläche, Tiefe mind. 2 m (Gruppe bis 4 Tiere) 60 m2 Landfläche 15 m2 Wasser + 8 m2 Land Grosse Schwimmfläche, Strömungsanlage, Sandflächen als Liegeplätze

Wasserqualität bei Robbenanlagen

Die Wasserqualität in Robben- und Seelöwenanlagen muss regelmässig überwacht werden. Wichtige Parameter sind: pH-Wert (6,5 bis 8,5), Chlorgehalt (bei chloriertem Wasser maximal 0,5 mg/l), Sauerstoffgehalt und Trübung. Ein leistungsfähiges Filtersystem ist zwingend erforderlich. Die Wassertemperatur sollte bei Seehunden und Kegelrobben zwischen 5 und 20 Grad C liegen, bei tropischen Arten entsprechend höher.

Klimaanforderungen nach Herkunftsgebiet

Das Säugetiergutachten und das Reptiliengutachten enthalten detaillierte Klimavorgaben, die sich an den natürlichen Habitaten der Tiere orientieren. Die Einhaltung korrekter Klima- und Lichtbedingungen ist entscheidend für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere.

Übersicht Klimaanforderungen Säugetiere

Herkunftsgebiet Temperatur Innengehege Luftfeuchtigkeit Beispielarten Besonderes
Tropischer Regenwald 20 bis 28 Grad C 60 bis 80 Prozent Orang-Utan, Okapi, Zwergflusspferd, Bongo Frostfreie Innenanlagen zwingend, Bodenheizung, Beregnungsanlage
Tropische Savanne 18 bis 28 Grad C 40 bis 60 Prozent Löwe, Giraffe, Zebra, Gnu, Afrikanischer Elefant Beheizte Innenanlagen im Winter, Schattenspender im Sommer
Gemässigte Zone 5 bis 20 Grad C 40 bis 60 Prozent Wolf, Luchs, Wisent, Rothirsch Ganzjährige Aussenhaltung möglich, frostfreier Unterstand
Arktisch / Subarktisch Bis 15 Grad C Variabel Eisbär, Polarfuchs, Moschusochse, Rentier Kühlmöglichkeiten im Sommer zwingend, Schatten, Eisflächen
Wüste / Halbwüste 15 bis 30 Grad C 20 bis 40 Prozent Fennec, Dromedar, Oryxantilope Grosse Tag-Nacht-Temperaturschwankungen simulieren, Sandsubstrat
Gebirge 5 bis 18 Grad C 40 bis 60 Prozent Schneeleopard, Steinbock, Yak, Roter Panda Kühle Temperaturen bevorzugt, Hitzeschutz im Sommer, Klettermöglichkeiten
Marin / Küste 5 bis 20 Grad C (Wasser) Hoch Seehund, Kegelrobbe, Pinguin Temperierte Becken, Salzwasser oder Süsswasser, UV-Strahlung

Klimaanforderungen Reptilien (zusammenfassend)

Herkunftsgebiet Temperatur Tag Temperatur Nacht Sonnenplatz Luftfeuchtigkeit Beispielarten
Tropischer Regenwald 25 bis 30 Grad C 22 bis 25 Grad C 35 bis 40 Grad C 70 bis 90 Prozent Grüner Baumpython, Smaragdboa, Chamäeleons, Pfeilgiftfrösche
Trockensavanne / Wüste 28 bis 35 Grad C 20 bis 24 Grad C 40 bis 50 Grad C 30 bis 50 Prozent Bartagame, Leopardgecko, Wüstenleguan, Königsnatter
Subtropisch 24 bis 28 Grad C 18 bis 22 Grad C 35 bis 40 Grad C 50 bis 70 Prozent Königspython, Kornnatter, Wasseragame
Mediterran 22 bis 28 Grad C 15 bis 20 Grad C 35 bis 40 Grad C 40 bis 60 Prozent Griechische Landschildkröte, Maurische Landschildkröte, Europäische Sumpfschildkröte
Tropisch-aquatisch 26 bis 32 Grad C (Wasser: 24 bis 30 Grad C) 22 bis 26 Grad C 35 bis 40 Grad C 70 bis 90 Prozent Nilkrokodil, Leistenkrokodil, Schnappschildkröte

Winterruhe bei mediterranen Reptilien

Viele Reptilien aus mediterranen und gemässigten Klimazonen benötigen eine Winterruhe (Hibernation) von zwei bis vier Monaten bei Temperaturen zwischen 4 und 8 Grad C. Dies betrifft insbesondere Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni), Europäische Sumpfschildkröten (Emys orbicularis) und Smaragdeidechsen (Lacerta viridis). Die Winterruhe ist für die Gesundheit und Fortpflanzungsfähigkeit dieser Arten essentiell und wird im Reptiliengutachten als verpflichtend angesehen. Vor Einleitung der Winterruhe muss eine tierärztliche Untersuchung erfolgen, und die Tiere müssen einen guten Ernährungszustand aufweisen.

Leitlinien zum Tiertransport

Der Transport von Wildtieren unterliegt strengen Vorschriften, die sich aus dem Tierschutzgesetz, der EU-Transportverordnung (EG) Nr. 1/2005 und den nationalen Tierschutz-Transportvorschriften ergeben.

Grundsätze des Tiertransports

IATA Live Animals Regulations (LAR)

Für den Lufttransport von Tieren gelten die IATA-LAR als internationaler Standard. Sie enthalten:

Transportplanung in Zoos

Vor jedem Tiertransport zwischen Zoos muss eine sorgfältige Planung erfolgen. Dazu gehören: veterinärärztliche Untersuchung, Anfertigung der erforderlichen Dokumente (CITES, Gesundheitszeugnis, Veterinärzeugnis), Auswahl und Vorbereitung des Transportbehälters, Bestimmung der Route und des Transportmittels sowie die Abstimmung mit der aufnehmenden Einrichtung.

Quellen und weiterführende Informationen

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2014): Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren. Verfügbar unter: bmel.de

BMEL: Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien. Verfügbar unter: bmel.de

BMEL: Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien. Verfügbar unter: bmel.de

BMEL: Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen. Verfügbar unter: bmel.de

Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT): Stellungnahmen zu Haltungsgutachten. Verfügbar unter: djgt.de

IATA: Live Animals Regulations (LAR). Verfügbar unter: iata.org

Verordnung (EG) Nr. 1/2005 des Rates über den Schutz von Tieren beim Transport. Verfügbar unter: eur-lex.europa.eu

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