Haltungsgutachten und Mindestanforderungen
Die Haltungsgutachten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) konkretisieren die allgemeinen Anforderungen des § 2 Tierschutzgesetz für einzelne Tiergruppen. Sie beschreiben die Mindestanforderungen an Gehegegrössen, Klimabedingungen, Sozialstruktur und Einrichtung. Die Gutachten sind zwar keine Rechtsverordnungen im formellen Sinne, werden aber von Gerichten und Behörden als massgeblicher Beurteilungsmassstab herangezogen und haben dadurch de facto bindende Wirkung.
Rechtliche Einordnung
Die Haltungsgutachten sind sogenannte "normkonkretisierende Verwaltungsvorschriften". Sie binden die Behörden bei der Auslegung des § 2 TierSchG. Gerichte legen die Gutachten regelmäßig als Mindeststandard zugrunde. Unterschreitungen müssen im Einzelfall besonders begründet werden. EAZA-Standards und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse können über die Gutachten hinausgehen.
Säugetiergutachten (BMEL 2014)
Das "Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren" wurde 2014 vom BMEL veröffentlicht und löste das ältere Gutachten von 1996 ab. Es enthält detaillierte Vorgaben für über 200 Säugetierarten und ist das umfangreichste der Haltungsgutachten.
Allgemeine Grundsätze
- Die angegebenen Masse sind Mindestmasse und sollen übertroffen werden
- Bei Gruppenhaltung ist für jedes weitere Tier ein Zuschlag erforderlich (in der Regel 10 bis 20 Prozent der Grundfläche)
- Aussenanlagen und Innenanlagen sind häufig beide erforderlich
- Die Gehegestrukturierung ist ebenso wichtig wie die reine Fläche
- Absperr- und Separiermöglichkeiten müssen vorhanden sein
- Soziale Arten müssen in Gruppen gehalten werden
Mindestanforderungen Grosskatzen
| Art | Aussengehege | Innengehege | Zuschlag je Tier | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Löwe (Panthera leo) | 200 m2 (Paar) | 20 m2 je Tier | 20 m2 aussen | Gruppenhaltung (1 Kater, mehrere Katzen), Kletterstamm, Wasserbecken |
| Tiger (Panthera tigris) | 200 m2 (Paar) | 20 m2 je Tier | 20 m2 aussen | Einzelhaltung oder Paarhaltung, Badebecken (mind. 8 m2), erhöhte Liegeplätze |
| Leopard (Panthera pardus) | 100 m2 (Paar) | 15 m2 je Tier | 15 m2 aussen | Einzelhaltung oder Paarhaltung, Kletterbaum, erhöhte Liegeplattformen, Höhe mind. 3 m |
| Jaguar (Panthera onca) | 150 m2 (Paar) | 15 m2 je Tier | 15 m2 aussen | Badebecken erforderlich, Klettermöglichkeiten, feuchtwarmes Innengehege |
| Schneeleopard (Panthera uncia) | 100 m2 (Paar) | 15 m2 je Tier | 15 m2 aussen | Klettermöglichkeiten bis 4 m Höhe, kühle Temperaturen bevorzugt |
| Gepard (Acinonyx jubatus) | 500 m2 (Paar) | 15 m2 je Tier | 50 m2 aussen | Grosse Lauffläche erforderlich, erhöhte Aussichtspunkte, sandiger Untergrund |
Mindestanforderungen Elefanten
| Art | Aussengehege | Innengehege | Zuschlag je Tier | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Afrikanischer Elefant (Loxodonta africana) | 2.000 m2 (Gruppe bis 4 Tiere) | 200 m2 (Gruppe) | 500 m2 aussen je weiteres Tier | Mindestens 3 Kühe, Sandbad, Badebecken, Scheürbaum, Bodenheizung innen |
| Asiatischer Elefant (Elephas maximus) | 2.000 m2 (Gruppe bis 4 Tiere) | 200 m2 (Gruppe) | 500 m2 aussen je weiteres Tier | Soziale Kuhgruppe, Bullenhaltung separat, Bademöglichkeit, elastischer Boden innen |
Elefantenhaltung im Wandel
Die Mindestanforderungen für Elefanten werden seit Jahren intensiv diskutiert. Viele moderne Zoos gehen deutlich über die Mindestmasse hinaus. Protected Contact (geschützter Kontakt) hat sich als Standard gegenüber dem früheren Free Contact (direkter Kontakt) durchgesetzt. Die EAZA Best Practice Guidelines empfehlen für eine Zuchtgruppe von 4 bis 6 Kühen mindestens 5.000 m2 Aussenfläche.
Mindestanforderungen Primaten
| Art | Aussengehege | Innengehege | Zuschlag je Tier | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Gorilla (Gorilla gorilla) | 500 m2 (Gruppe bis 5 Tiere) | 100 m2 (Gruppe) | 20 m2 aussen | Familiengruppe (1 Silberrücken, mehrere Weibchen), Nestmaterial, Kletterstruktur |
| Schimpanse (Pan troglodytes) | 500 m2 (Gruppe bis 5 Tiere) | 100 m2 (Gruppe) | 20 m2 aussen | Grosse Gruppe (mindestens 5 Tiere), Kletterbaum, Werkzeuggebrauch, Nestbau |
| Orang-Utan (Pongo spp.) | 300 m2 (Paar) | 80 m2 (Paar) | 20 m2 aussen | Kletterstrukturen bis 6 m Höhe, Seile, Hängematten, Nestmaterial, hohe Luftfeuchtigkeit |
| Pavian (Papio spp.) | 300 m2 (Gruppe bis 10 Tiere) | 50 m2 (Gruppe) | 10 m2 aussen | Grosse Gruppe, Kletterfelsen, Sichtbarrieren, Schlafplätze in der Höhe |
| Totenkopfaffe (Saimiri spp.) | 30 m2 (Gruppe bis 10 Tiere) | 20 m2 (Gruppe) | 2 m2 aussen | Grosse Gruppe (mindestens 5 Tiere), Kletteräste, Wärmelampe, Insektenfutter |
Klimaanforderungen
Das Säugetiergutachten enthält detaillierte Klimavorgaben:
| Tiergruppe | Temperatur innen | Luftfeuchtigkeit | Besonderes |
|---|---|---|---|
| Tropische Primaten | 18 bis 25 Grad C | 50 bis 70 Prozent | Frostfreie Innenanlagen zwingend |
| Grosskatzen (tropisch) | 15 bis 25 Grad C | 40 bis 60 Prozent | Beheizte Innenanlagen im Winter |
| Elefanten | 15 bis 24 Grad C | 40 bis 70 Prozent | Bodenheizung, keine Zugluft, Staubbad |
| Arktische/subarktische Arten | Bis 15 Grad C | Variabel | Kühlmöglichkeiten im Sommer, Schatten |
| Fledermäuse | 18 bis 28 Grad C (artabhängig) | 60 bis 90 Prozent | Nachthaus, umgekehrter Tag-Nacht-Rhythmus |
Soziale Haltung
Das Säugetiergutachten betont die Bedeutung artgemässer Sozialstrukturen:
- Gruppenhalter: Löwenpride, Gorillagruppe, Elefantenherden, Paviangruppen sind in natürlicher Sozialstruktur zu halten
- Paarhalter: Viele Kleinkatzen, einige Primaten werden paarweise gehalten
- Einzelgänger: Tiger, Leopard, Orang-Utan-Männchen sind Einzelgänger und werden nur zur Paarung zusammengeführt
- Geschlechtergruppen: Junggesellengruppen bei überzähligen Männchen (z.B. bei Gorillas, Löwenmännchen)
- Mutter-Kind-Gruppen: Trennung von Jungtieren nur aus veterinärärztlichen Gründen oder zur Vermeidung von Inzucht
Reptiliengutachten (BMEL)
Das "Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien" enthält Vorgaben für Terrariengrössen, die als Vielfache der Körperlänge (KRL bei Echsen und Schildkröten) oder Gesamtlänge (GL bei Schlangen) berechnet werden. Dieses System erlaubt eine flexible Anpassung an die tatsächliche Größe des jeweiligen Individuums.
Berechnungsformeln für Terrariengrössen
Abkürzungen
KRL = Kopf-Rumpf-Länge (bei Echsen und Schildkröten, ohne Schwanz gemessen)
GL = Gesamtlänge (bei Schlangen, von Schnauze bis Schwanzspitze)
PL = Panzerlänge (bei Schildkröten)
Die Angabe erfolgt in der Reihenfolge: Länge x Breite x Höhe
Mindestgrössen nach Lebensweise
| Lebensweise | Terrariengrösse (L x B x H) | Beispielarten |
|---|---|---|
| Bodenlebende Echsen | 5 x 4 x 3 KRL | Bartagame, Steppenwaran, Blauzungenskink |
| Kletternde Echsen | 4 x 3 x 5 KRL | Chamäeleons, Taggeckos, Grüner Leguan |
| Grabende Echsen | 5 x 4 x 2 KRL | Skinke, Blindschleichen |
| Bodenlebende Schlangen | 1 x 0,5 x 0,75 GL | Königspython, Kornnatter, Boa constrictor |
| Kletternde Schlangen | 0,75 x 0,5 x 1 GL | Grüner Baumpython, Smaragdboa |
| Wasserschildkröten | Wasserfläche: 8 x 4 PL, Wassertiefe: 2 PL | Rotwangen-Schmuckschildkröte, Moschusschildkröte |
| Landschildkröten | 8 x 4 PL Grundfläche | Griechische Landschildkröte, Breitrandschildkröte |
| Krokodile (bis 1,5 m) | Wasserfläche: 5 x 3 KRL, Landteil: 3 x 3 KRL | Stumpfkrokodil, Braünkaiman |
| Krokodile (über 1,5 m) | Wasserfläche: 4 x 3 KRL, Landteil: 2 x 2 KRL | Nilkrokodil, Leistenkrokodil, Mississippi-Alligator |
Berechnungsbeispiel
Beispiel: Bartagame (Pogona vitticeps)
Eine ausgewachsene Bartagame hat eine KRL von ca. 25 cm.
Terrariengrösse (bodenlebend): 5 x 4 x 3 KRL = 125 x 100 x 75 cm
Für jedes weitere Tier: 15 Prozent Zuschlag auf die Grundfläche
Für ein Pärchen: 125 x 115 x 75 cm
Temperatur und Luftfeuchtigkeit
| Herkunftsgebiet | Temperatur Tag | Temperatur Nacht | Sonnenplatz | Luftfeuchtigkeit |
|---|---|---|---|---|
| Tropischer Regenwald | 25 bis 30 Grad C | 22 bis 25 Grad C | 35 bis 40 Grad C | 70 bis 90 Prozent |
| Trockensavanne/Wüste | 28 bis 35 Grad C | 20 bis 24 Grad C | 40 bis 50 Grad C | 30 bis 50 Prozent |
| Subtropisch | 24 bis 28 Grad C | 18 bis 22 Grad C | 35 bis 40 Grad C | 50 bis 70 Prozent |
| Mediterran | 22 bis 28 Grad C | 15 bis 20 Grad C | 35 bis 40 Grad C | 40 bis 60 Prozent |
UV-Bedarf
Für viele Reptilienarten ist UV-B-Strahlung essentiell für die Vitamin-D3-Synthese und den Calciumstoffwechsel:
- Hoher UV-B-Bedarf: Tagsaktive Echsen (Bartagamen, Leguane, Chamäeleons), Landschildkröten
- Mittlerer UV-B-Bedarf: Tagsaktive Schlangen, Wasserschildkröten
- Geringer UV-B-Bedarf: Nachtaktive Arten (Leopardgeckos, viele Schlangen), wobei UV-B auch hier vorteilhaft sein kann
- UV-Index am Sonnenplatz: Ferguson-Zone 1 bis 4, je nach Art (Zone 1: Schatten, Zone 4: offene Sonne)
Papageiengutachten
Das "Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien" regelt die Haltung aller Psittaciformes (Papageienvögel). Es gilt sowohl für Zoos als auch für private Halter.
Grundsätze der Papageienhaltung
- Papageien sind grundsätzlich paarweise oder in Gruppen zu halten (Ausnahme: handaufgezogene Einzeltiere, die nicht vergesellschaftbar sind)
- Die Voliere muss Flugmöglichkeit bieten (Länge mindestens das Zehnfache der Körperlänge)
- Naturäste zum Sitzen und Benagen müssen vorhanden sein
- Bademöglichkeit muss zur Verfügung stehen
- Nistkasten oder Rückzugsmöglichkeit muss vorhanden sein
Mindestgrössen für Papageienvolieren (Paarhaltung)
| Artgruppe | Voliere (L x B x H) | Zuschlag je Paar | Beispielarten |
|---|---|---|---|
| Grosse Aras | 4 x 2 x 2 m | 50 Prozent | Hellroter Ara, Gelbbrustara, Hyazinth-Ara |
| Grosse Kakadus | 4 x 2 x 2 m | 50 Prozent | Gelbhaubenkakadu, Molukkenkakadu, Rosakakadu |
| Amazonen | 3 x 1,5 x 2 m | 50 Prozent | Blaustirnamazone, Gelbscheitelamazone, Venezülaamazone |
| Graupapageien | 3 x 1,5 x 2 m | 50 Prozent | Kongo-Graupapagei, Timneh-Graupapagei |
| Grosssittiche | 3 x 1 x 2 m | 50 Prozent | Nymphensittich, Alexandersittich, Halsbandsittich |
| Kleinsittiche | 1,5 x 0,8 x 1 m | 50 Prozent | Wellensittich, Agaporniden, Sperlingspapageien |
Einzelhaltung von Papageien
Die Einzelhaltung von Papageien ist als tierschutzwidrig einzustufen und wird von Gerichten zunehmend untersagt. Papageien sind hochsoziale Tiere, die auf die Gesellschaft von Artgenossen angewiesen sind. Auch sprachbegabte oder stark auf den Menschen fixierte Tiere benötigen Artgenossen. Die Vergesellschaftung muss fachkundig begleitet werden.
Mindestanforderungen an die Haltung von Ziervögeln
Das Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Kleinvögeln ergänzt das Papageiengutachten und umfasst alle gängigen Ziervogelarten:
- Finken und Prachtfinken: Mindestvoliere 80 x 40 x 40 cm (Paar), Gruppenhaltung empfohlen, Naturäste, Badeschale
- Weichfresser: Mindestvoliere 100 x 50 x 50 cm (Paar), Bepflanzung, Insektenfutter, UV-Lampe
- Tauben: Voliere oder Taubenschlag, Mindestens 1 m2 pro Paar, Sitzstangen, Brutplätze
- Hühnervogel: Aussenvoliere mit Schutzraum, Sandbad, Sitzstangen, Dickicht als Rückzug
Gutachten zu Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen
Dieses Gutachten regelt die Haltung von Greifvögeln (Accipitriformes, Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) in Zoos, Falknereien und bei privaten Haltern.
Mindestgrössen für Greifvogelvolieren (Paarhaltung)
| Artgruppe | Voliere (L x B x H) | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Grosse Adler (Steinadler, Seeadler) | 6 x 3 x 3 m | Horstplattform, natürliche Sitzäste, Badebecken |
| Mittlere Greifvögel (Bussard, Milan) | 4 x 2 x 2,5 m | Sitzäste in verschiedenen Höhen, Badebecken |
| Falken | 3 x 2 x 2,5 m | Freie Flugbahn, Sanduntergrund, UV-durchlässige Abdeckung |
| Grosse Eulen (Uhu) | 5 x 3 x 3 m | Dunkle Rückzugsbereiche, erhöhte Sitzplätze |
| Kleine Eulen (Steinkauz, Waldkauz) | 3 x 1,5 x 2 m | Nisthöhle, dichte Bepflanzung, erhöhte Sitzwarten |
| Geier | 8 x 4 x 4 m | Felsstruktur, Bruthöhle/-nische, grosse Flugvoliere bevorzugt |
Besondere Anforderungen
- Greifvögel benötigen möglichst grosse Volieren mit freier Flugbahn
- Netzvolieren sind gegenüber Gittervolieren zu bevorzugen (geringere Verletzungsgefahr)
- Anbindehaltung (Falknerei) ist nur für den Flugbetrieb und mit täglichem Freiflug zulässig
- Die Anbindehaltung ohne täglichen Freiflug ist tierschutzwidrig
- Nachtquartiere müssen zugluftfrei und trocken sein
Weitere Säugetiere im Säugetiergutachten
Mindestanforderungen Bären
| Art | Aussengehege | Innengehege | Zuschlag je Tier | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Braunbär (Ursus arctos) | 600 m2 (Paar) | 20 m2 je Tier | 50 m2 aussen | Badebecken (mind. 12 m2), Grabmöglichkeit, Kletterbaum, Schlafbox, Winterruhe ermöglichen |
| Eisbär (Ursus maritimus) | 600 m2 (Paar) | 20 m2 je Tier | 50 m2 aussen | Tiefes Schwimmbecken (mind. 50 m3), Kühlmöglichkeiten, Beschattung im Sommer, Eisflächen im Winter wünschenswert |
| Malaienbär (Helarctos malayanus) | 300 m2 (Paar) | 15 m2 je Tier | 30 m2 aussen | Klettermöglichkeiten (guter Kletterer), frostfreies Innengehege, Wasserbecken |
| Lippenbär (Melursus ursinus) | 400 m2 (Paar) | 15 m2 je Tier | 40 m2 aussen | Grabmöglichkeiten, Kletterbaum, frostfreies Innengehege, Termitenhügel oder äquivalente Enrichment-Einrichtungen |
Mindestanforderungen Giraffen und Flusspferde
| Art | Aussengehege | Innengehege | Zuschlag je Tier | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Giraffe (Giraffa camelopardalis) | 1.000 m2 (Gruppe bis 4 Tiere) | 100 m2 (Gruppe), Deckenhöhe mind. 5,5 m | 200 m2 aussen | Sandiger Boden, erhöhte Futterstellen, Abtrennmöglichkeiten für Kälber, Schlammsuhle, Schattendächer |
| Flusspferd (Hippopotamus amphibius) | 500 m2 Landfläche + 100 m2 Wasserfläche (Paar) | 40 m2 + beheiztes Innenbecken (mind. 30 m2, Tiefe 1,5 m) | 50 m2 Land + 20 m2 Wasser | Tiefes Aussenbecken (mind. 1,5 m), flacher Einstieg, Bodenheizung im Innenbereich, Wassertemperatur mind. 20 Grad C |
| Zwergflusspferd (Choeropsis liberiensis) | 200 m2 + 30 m2 Wasserfläche (Paar) | 20 m2 + Innenbecken | 30 m2 Land | Einzelgänger, Zusammenführung nur zur Paarung, dichter Bewuchs als Sichtschutz |
Mindestanforderungen Wölfe und Caniden
| Art | Aussengehege | Innengehege | Zuschlag je Tier | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Wolf (Canis lupus) | 500 m2 (Rudel bis 4 Tiere) | Beheizbarer Unterstand je Tier | 50 m2 aussen | Rudelhaltung obligatorisch, Sichtbarrieren, Grabmöglichkeit, Wurfhöhle, mindestens 2 m hoher Zaun mit Überkletterschutz |
| Afrikanischer Wildhund (Lycaon pictus) | 800 m2 (Rudel bis 6 Tiere) | Beheizbarer Unterstand | 50 m2 aussen | Rudelhaltung (mind. 4 Tiere), frostfreier Rückzugsbereich, grosse Lauffläche |
| Rotfuchs (Vulpes vulpes) | 30 m2 (Paar) | Frostfreier Unterschlupf | 5 m2 aussen | Grabmöglichkeit, Kletterstrukturen, Erdbau als Rückzug |
Mindestanforderungen Robben und Seelöwen
| Art | Beckengrösse | Landfläche | Zuschlag je Tier | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Seehund (Phoca vitulina) | 100 m2 Wasserfläche, Tiefe mind. 1,5 m (Gruppe bis 4 Tiere) | 50 m2 Landfläche (Liegeplätze) | 10 m2 Wasser + 5 m2 Land | Meerwasser oder Süsswasser, Strömung erwünscht, Sonnenplätze, Abtrennmöglichkeit für Jungtieraufzucht |
| Kalifornischer Seelöwe (Zalophus californianus) | 150 m2 Wasserfläche, Tiefe mind. 2 m (Gruppe bis 5 Tiere) | 80 m2 Landfläche | 15 m2 Wasser + 10 m2 Land | Tiefbecken für Tauchverhalten, Liegeplattformen in verschiedenen Höhen, Kletterfelsen |
| Kegelrobbe (Halichoerus grypus) | 150 m2 Wasserfläche, Tiefe mind. 2 m (Gruppe bis 4 Tiere) | 60 m2 Landfläche | 15 m2 Wasser + 8 m2 Land | Grosse Schwimmfläche, Strömungsanlage, Sandflächen als Liegeplätze |
Wasserqualität bei Robbenanlagen
Die Wasserqualität in Robben- und Seelöwenanlagen muss regelmässig überwacht werden. Wichtige Parameter sind: pH-Wert (6,5 bis 8,5), Chlorgehalt (bei chloriertem Wasser maximal 0,5 mg/l), Sauerstoffgehalt und Trübung. Ein leistungsfähiges Filtersystem ist zwingend erforderlich. Die Wassertemperatur sollte bei Seehunden und Kegelrobben zwischen 5 und 20 Grad C liegen, bei tropischen Arten entsprechend höher.
Klimaanforderungen nach Herkunftsgebiet
Das Säugetiergutachten und das Reptiliengutachten enthalten detaillierte Klimavorgaben, die sich an den natürlichen Habitaten der Tiere orientieren. Die Einhaltung korrekter Klima- und Lichtbedingungen ist entscheidend für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere.
Übersicht Klimaanforderungen Säugetiere
| Herkunftsgebiet | Temperatur Innengehege | Luftfeuchtigkeit | Beispielarten | Besonderes |
|---|---|---|---|---|
| Tropischer Regenwald | 20 bis 28 Grad C | 60 bis 80 Prozent | Orang-Utan, Okapi, Zwergflusspferd, Bongo | Frostfreie Innenanlagen zwingend, Bodenheizung, Beregnungsanlage |
| Tropische Savanne | 18 bis 28 Grad C | 40 bis 60 Prozent | Löwe, Giraffe, Zebra, Gnu, Afrikanischer Elefant | Beheizte Innenanlagen im Winter, Schattenspender im Sommer |
| Gemässigte Zone | 5 bis 20 Grad C | 40 bis 60 Prozent | Wolf, Luchs, Wisent, Rothirsch | Ganzjährige Aussenhaltung möglich, frostfreier Unterstand |
| Arktisch / Subarktisch | Bis 15 Grad C | Variabel | Eisbär, Polarfuchs, Moschusochse, Rentier | Kühlmöglichkeiten im Sommer zwingend, Schatten, Eisflächen |
| Wüste / Halbwüste | 15 bis 30 Grad C | 20 bis 40 Prozent | Fennec, Dromedar, Oryxantilope | Grosse Tag-Nacht-Temperaturschwankungen simulieren, Sandsubstrat |
| Gebirge | 5 bis 18 Grad C | 40 bis 60 Prozent | Schneeleopard, Steinbock, Yak, Roter Panda | Kühle Temperaturen bevorzugt, Hitzeschutz im Sommer, Klettermöglichkeiten |
| Marin / Küste | 5 bis 20 Grad C (Wasser) | Hoch | Seehund, Kegelrobbe, Pinguin | Temperierte Becken, Salzwasser oder Süsswasser, UV-Strahlung |
Klimaanforderungen Reptilien (zusammenfassend)
| Herkunftsgebiet | Temperatur Tag | Temperatur Nacht | Sonnenplatz | Luftfeuchtigkeit | Beispielarten |
|---|---|---|---|---|---|
| Tropischer Regenwald | 25 bis 30 Grad C | 22 bis 25 Grad C | 35 bis 40 Grad C | 70 bis 90 Prozent | Grüner Baumpython, Smaragdboa, Chamäeleons, Pfeilgiftfrösche |
| Trockensavanne / Wüste | 28 bis 35 Grad C | 20 bis 24 Grad C | 40 bis 50 Grad C | 30 bis 50 Prozent | Bartagame, Leopardgecko, Wüstenleguan, Königsnatter |
| Subtropisch | 24 bis 28 Grad C | 18 bis 22 Grad C | 35 bis 40 Grad C | 50 bis 70 Prozent | Königspython, Kornnatter, Wasseragame |
| Mediterran | 22 bis 28 Grad C | 15 bis 20 Grad C | 35 bis 40 Grad C | 40 bis 60 Prozent | Griechische Landschildkröte, Maurische Landschildkröte, Europäische Sumpfschildkröte |
| Tropisch-aquatisch | 26 bis 32 Grad C (Wasser: 24 bis 30 Grad C) | 22 bis 26 Grad C | 35 bis 40 Grad C | 70 bis 90 Prozent | Nilkrokodil, Leistenkrokodil, Schnappschildkröte |
Winterruhe bei mediterranen Reptilien
Viele Reptilien aus mediterranen und gemässigten Klimazonen benötigen eine Winterruhe (Hibernation) von zwei bis vier Monaten bei Temperaturen zwischen 4 und 8 Grad C. Dies betrifft insbesondere Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni), Europäische Sumpfschildkröten (Emys orbicularis) und Smaragdeidechsen (Lacerta viridis). Die Winterruhe ist für die Gesundheit und Fortpflanzungsfähigkeit dieser Arten essentiell und wird im Reptiliengutachten als verpflichtend angesehen. Vor Einleitung der Winterruhe muss eine tierärztliche Untersuchung erfolgen, und die Tiere müssen einen guten Ernährungszustand aufweisen.
Leitlinien zum Tiertransport
Der Transport von Wildtieren unterliegt strengen Vorschriften, die sich aus dem Tierschutzgesetz, der EU-Transportverordnung (EG) Nr. 1/2005 und den nationalen Tierschutz-Transportvorschriften ergeben.
Grundsätze des Tiertransports
- Transportfähigkeit: Nur gesunde Tiere dürfen transportiert werden
- Transportbehälter: Artgerecht, ausreichend gross, gut belüftet, ausbruchsicher
- Transportdauer: So kurz wie möglich, Pausen bei Langstrecken
- Futter und Wasser: Bei Transporten über 8 Stunden Versorgung erforderlich
- Temperaturkontrolle: Schutz vor Hitze, Kälte und Zugluft
- Dokumentation: Transportplan, CITES-Papiere, Gesundheitszeugnis
IATA Live Animals Regulations (LAR)
Für den Lufttransport von Tieren gelten die IATA-LAR als internationaler Standard. Sie enthalten:
- Detaillierte Containervorschriften (Container Requirements) für jede Tierart
- Vorschriften für Belüftung, Temperatur und Druckverhältnisse
- Kennzeichnungs- und Beschriftungsvorschriften für Transportbehälter
- Anforderungen an Futter- und Wasserversorgung während des Fluges
- Vorschriften für die Behandlung bei Zwischenstopps
Transportplanung in Zoos
Vor jedem Tiertransport zwischen Zoos muss eine sorgfältige Planung erfolgen. Dazu gehören: veterinärärztliche Untersuchung, Anfertigung der erforderlichen Dokumente (CITES, Gesundheitszeugnis, Veterinärzeugnis), Auswahl und Vorbereitung des Transportbehälters, Bestimmung der Route und des Transportmittels sowie die Abstimmung mit der aufnehmenden Einrichtung.
Quellen und weiterführende Informationen
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2014): Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren. Verfügbar unter: bmel.de
BMEL: Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien. Verfügbar unter: bmel.de
BMEL: Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien. Verfügbar unter: bmel.de
BMEL: Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen. Verfügbar unter: bmel.de
Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT): Stellungnahmen zu Haltungsgutachten. Verfügbar unter: djgt.de
IATA: Live Animals Regulations (LAR). Verfügbar unter: iata.org
Verordnung (EG) Nr. 1/2005 des Rates über den Schutz von Tieren beim Transport. Verfügbar unter: eur-lex.europa.eu