Lernfelder der Berufsschule

Der Berufsschulunterricht für Tierpfleger/innen ist nach dem Lernfeldkonzept organisiert. Lernfelder sind thematische Einheiten, die sich an beruflichen Handlungssituationen orientieren und fachübergreifend aufgebaut sind. Sie ersetzen die frühere Fächersystematik und ermöglichen einen praxisnahen, handlungsorientierten Unterricht. Das Ziel ist die Entwicklung beruflicher Handlungskompetenz, die Fachkompetenz, Sozialkompetenz und Selbstkompetenz umfasst.

Der Rahmenlehrplan der Kultusministerkonferenz (KMK) vom 27. Juni 2003 definiert die Lernfelder verbindlich. Er wurde zeitgleich mit der Ausbildungsordnung (TierpflAusbV) entwickelt und ist auf diese abgestimmt. Die einzelnen Bundesländer setzen diesen Rahmen in eigene Lehrpläne um. In Bayern erfolgt die Umsetzung durch das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB), in Nordrhein-Westfalen durch das Landesinstitut für Schule.

Der berufsbezogene Unterricht umfasst insgesamt 560 Unterrichtsstunden im ersten und zweiten Ausbildungsjahr (gemeinsame Lernfelder 1 bis 8) sowie 280 Unterrichtsstunden im dritten Ausbildungsjahr (fachrichtungsspezifische Lernfelder). Hinzu kommen allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Gemeinschaftskunde, Wirtschaftskunde und Religionslehre / Ethik.

Übersicht der Lernfelder

Lernfeld Bezeichnung Ausbildungsjahr Stunden
LF 1Sich in das Berufsleben einfinden1. Jahr40
LF 2Tierunterkünfte einrichten und instandhalten1. Jahr80
LF 3Bedarfsgerecht füttern und tränken1. Jahr80
LF 4Tierartgemässe Körperpflege durchführen1. Jahr80
LF 5Tiere transportieren2. Jahr40
LF 6Mit Tieren umgehen2. Jahr80
LF 7Krankheiten erkennen2. Jahr80
LF 8Fortpflanzung und Zucht2. Jahr80
Fachrichtung Zoo (3. Jahr)
LF 13Aquarien und Terrarien einrichten und pflegen3. Jahr80
LF 14Gehege und Volieren gestalten und instandhalten3. Jahr60
LF 15Wildtiere und gefährdete Haustierrassen betreuen3. Jahr80
LF 16Öffentlichkeitsarbeit durchführen3. Jahr60

Hinweis: Die Lernfelder 9 bis 12 gehören zu den Fachrichtungen Forschung/Klinik bzw. Tierheim/Pension und werden hier nicht behandelt.

Gemeinsame Lernfelder (1. und 2. Ausbildungsjahr)

Lernfeld 1: Sich in das Berufsleben einfinden

Zeitrichtwert: 40 Stunden (1. Ausbildungsjahr)

Zielformulierung:

Die Schülerinnen und Schüler finden sich in das Berufsleben ein und orientieren sich in ihrem Ausbildungsbetrieb. Sie informieren sich über Rechte und Pflichten aus dem Ausbildungsvertrag und machen sich mit der Organisation und den Aufgaben ihres Betriebes vertraut.

Inhalte:

  • Berufsbildungsgesetz (BBiG) und Ausbildungsordnung (TierpflAusbV)
  • Ausbildungsvertrag: Inhalte, Rechte und Pflichten beider Vertragsparteien
  • Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes (Organigramm)
  • Rolle der IHK als zuständige Stelle
  • Jugendarbeitsschutzgesetz und Arbeitszeitgesetz
  • Tarifverträge und betriebliche Mitbestimmung
  • Sozialversicherungssystem (Kranken-, Renten-, Arbeitslosen-, Pflege-, Unfallversicherung)
  • Arbeitssicherheit und Unfallverhütungsvorschriften (DGUV)
  • Brandschutz und Erste Hilfe im Betrieb
  • Berichtsheft (Ausbildungsnachweis) führen
  • Berufliche Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten (z. B. Tierpflegemeister/in)

Typische Lernsituation: Die Auszubildenden erhalten ihren Ausbildungsvertrag und analysieren die einzelnen Vertragsbestandteile. Sie vergleichen ihre Rechte und Pflichten, erstellen ein Organigramm ihres Ausbildungsbetriebes und informieren sich über die Rolle der IHK. Im Planspiel simulieren sie eine Beratungssituation bei der IHK zu Fragen der Ausbildungsverkürzung.

Lernfeld 2: Tierunterkünfte einrichten und instandhalten

Zeitrichtwert: 80 Stunden (1. Ausbildungsjahr)

Zielformulierung:

Die Schülerinnen und Schüler richten Tierunterkünfte artgemäss ein und halten sie instand. Sie berücksichtigen die Bedürfnisse der Tierarten und beachten Hygiene- und Sicherheitsanforderungen.

Inhalte:

  • Arten von Tierunterkünften: Gehege, Volieren, Aquarien, Terrarien, Stallungen, Boxen
  • Klimafaktoren: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Beleuchtung, Belüftung
  • Messtechnik: Thermometer, Hygrometer, Luxmeter, pH-Messgeräte
  • Bodensubstrate und Einstreumaterialien (Holzspäne, Stroh, Rindenmulch, Sand)
  • Einrichtungsgegenstände: Kletter- und Sitzmöglichkeiten, Verstecke, Badebecken
  • Reinigungs- und Desinfektionspläne erstellen und umsetzen
  • Reinigungs- und Desinfektionsmittel: Wirkungsweise, Konzentration, Einwirkzeit
  • Desinfektionsmethoden: chemisch, thermisch, UV-Desinfektion
  • Wartung und Reparatur technischer Anlagen (Filter, Heizung, Beleuchtung)
  • Sicherheitseinrichtungen: Schleusen, Doppeltüren, Absperrschieber
  • Gefahrenquellen erkennen und beseitigen (scharfe Kanten, giftige Pflanzen, Stromquellen)
  • Materialkunde: Holz, Metall, Glas, Kunststoff, Beton, Naturstein

Typische Lernsituation: Die Auszubildenden planen die Neueinrichtung einer Tierunterkunft für eine bestimmte Tierart (z. B. Bartagamen). Sie erstellen eine Materialliste, wählen passende Bodensubstrate und Einrichtungsgegenstände aus, ermitteln die optimalen Klimaparameter und stellen einen Reinigungs- und Desinfektionsplan auf. Im Praxisunterricht führen sie eine Desinfektion mit vorgegebenem Mittel durch und berechnen die korrekte Konzentration und Einwirkzeit.

Lernfeld 3: Bedarfsgerecht füttern und tränken

Zeitrichtwert: 80 Stunden (1. Ausbildungsjahr)

Zielformulierung:

Die Schülerinnen und Schüler füttern und tränken Tiere bedarfsgerecht. Sie planen Futterrationen unter Berücksichtigung artspezifischer Bedürfnisse und kontrollieren die Futterqualität.

Inhalte:

  • Nährstoffgruppen: Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe, Wasser
  • Ernährungstypen: Herbivoren, Carnivoren, Omnivoren, Insektivoren, Frugivoren, Nektarivoren, Folivoren
  • Verdauungssysteme: Monogastrier, Wiederkäür, Pseudoruminantien, Hindgut-Fermenter
  • Futtermittelkunde: Rau-, Kraft-, Saft- und Lebendfutter, Ergänzungsfuttermittel
  • Futterberechnung: Energiebedarf, Erhaltungsbedarf, Leistungsbedarf (Wachstum, Traächtigkeit, Laktation)
  • Futterpläne erstellen und anpassen
  • Futterqualität beurteilen: Sensorische Prüfung, Mindesthaltbarkeitsdatum, Schädlingsbefall
  • Futterlagerung: Kühlung, Trockenlagerung, Schutz vor Verderb und Schädlingen
  • Futterzubereitung: Zerkleinern, Kochen, Einweichen, Mischen
  • Tränkwasserversorgung: Qualität, Bereitstellung, Trogtränken, Nippeltränken
  • Futterhygiene und HACCP-Grundsätze
  • Diätetik: Spezialfütterung bei Krankheit oder besonderen Lebensphasen

Typische Lernsituation: Die Auszubildenden berechnen eine vollständige Tagesration für eine Gruppe Kattas (Lemur catta). Ausgehend vom Körpergewicht, Ernährungstyp (frugivor/omnivor) und dem Energiebedarf stellen sie einen Futterplan zusammen, der Obst, Gemüse, Insekten und Pellets enthält. Sie prüfen die Futterqualität sensorisch, berechnen den Tagesbedarf an Vitaminen und Mineralstoffen und diskutieren die Folgen von Fehlernährung.

Lernfeld 4: Tierartgemässe Körperpflege durchführen

Zeitrichtwert: 80 Stunden (1. Ausbildungsjahr)

Zielformulierung:

Die Schülerinnen und Schüler führen tierartgemässe Körperpflegemassnahmen durch. Sie erkennen den Pflegebedarf und wählen geeignete Methoden und Hilfsmittel aus.

Inhalte:

  • Hautanhangsgebilde: Fell, Federn, Schuppen, Krallen, Hufe, Klaün, Hörner, Geweih
  • Fellpflege: Bürsten, Kämmen, Schur, Baden
  • Huf- und Klaünpflege: Grundlagen der Hufbearbeitung, Zusammenarbeit mit Hufschmied
  • Krallenpflege: Schneiden und Feilen bei verschiedenen Tierarten
  • Schnabelpflege bei Vögeln
  • Zahnpflege und Zahnkontrolle (Nager, Kaninchen: Zahnfehlstellungen erkennen)
  • Hautpflege und Beurteilung des Hautzustands
  • Häutungshilfe bei Reptilien
  • Gefiederpflege: Bademöglichkeiten, Sprühnebel, Federpflege
  • Ektoparasitenbehandlung als Körperpflegemassnahme
  • Hilfsmittel und Werkzeuge für die Körperpflege
  • Grundlagen der Anatomie: Haut, Bewegungsapparat, Sinnesorgane

Typische Lernsituation: An verschiedenen Tierpräparaten und Abbildungen bestimmen die Auszubildenden Hautanhangsgebilde (Fell, Federn, Schuppen) und ordnen sie den jeweiligen Tierklassen zu. Sie üben das Krallenschneiden an einem Modell, erstellen eine Checkliste für die Gefiederpflege bei Papageien und diskutieren, wann eine Häutungshilfe bei Schlangen notwendig ist und wie sie fachgerecht durchgeführt wird.

Lernfeld 5: Tiere transportieren

Zeitrichtwert: 40 Stunden (2. Ausbildungsjahr)

Zielformulierung:

Die Schülerinnen und Schüler transportieren Tiere sicher und tierschutzgerecht. Sie planen Transporte unter Berücksichtigung rechtlicher Vorgaben und artspezifischer Anforderungen.

Inhalte:

  • Rechtliche Grundlagen: EU-Transportverordnung (VO (EG) Nr. 1/2005), Tierschutztransportverordnung
  • IATA Live Animals Regulations (LAR) für Flugtransporte
  • CITES-Bestimmungen und Artenschutzdokumentation beim Transport
  • Transportbehälter: Auswahl, Größe, Ausstattung nach IATA-Standards
  • Vorbereitung des Tieres: Nüchtierung, Sedierung (nur durch Tierarzt), Gesundheitszeugnis
  • Transportmethoden: Strassen-, Luft-, Schienen- und Schiffstransport
  • Fangen und Verladen verschiedener Tierarten
  • Überwachung während des Transports: Temperatur, Belüftung, Wasserversorgung
  • Transportdokumentation und Begleitpapiere
  • Eingewöhnung nach dem Transport (Quarantäne, Stressreduktion)
  • Gefahren und Risiken beim Tiertransport minimieren

Typische Lernsituation: Ein Zoo plant den Transport einer Giraffe in einen anderen Zoo. Die Auszubildenden recherchieren die rechtlichen Anforderungen (EU-Transportverordnung, CITES-Papiere), wählen einen geeigneten Transportbehälter nach IATA-Standards, erstellen eine Checkliste für die Transportvorbereitung und planen die Eingewöhnungsphase am Zielort. Sie diskutieren Risiken wie Stress, Verletzungsgefahr und Temperaturschwankungen.

Lernfeld 6: Mit Tieren umgehen

Zeitrichtwert: 80 Stunden (2. Ausbildungsjahr)

Zielformulierung:

Die Schülerinnen und Schüler gehen fachgerecht und sicher mit Tieren um. Sie berücksichtigen das artspezifische Verhalten und schätzen Gefahren richtig ein.

Inhalte:

  • Ethologische Grundlagen: Instinktverhalten, Lernverhalten, Sozialverhalten
  • Kommunikation zwischen Mensch und Tier: Körpersprache, Signale, Desensibilisierung
  • Medical Training und Kooperationstraining (Target Training, Positive Verstärkung)
  • Fang- und Fixiermethoden für verschiedene Tiergruppen (Säugetiere, Vögel, Reptilien)
  • Umgang mit gefährlichen Tieren: Gifttiere, Raubtiere, grosse Huftiere
  • Sicherheitsprotokolle und Notfallpläne
  • Stressanzeichen erkennen und Stressreduktion
  • Flucht- und Aggressionsdistanzen
  • Gewöhnungstraining und Habituierung
  • Umgang mit handaufgezogenen Tieren und Fehlprägungen
  • Arbeitsschutz: Zoonosen, Verletzungsgefahren, persönliche Schutzausrüstung
  • Dokumentation von Verhaltensbeobachtungen (Ethogramm)

Typische Lernsituation: Die Auszubildenden erstellen ein Ethogramm für eine Gruppe Erdmännchen. Sie beobachten die Tiere über einen festgelegten Zeitraum, notieren Verhaltensweisen (Nahrungssuche, Wächterverhalten, Spiel, Aggression), identifizieren die Rangordnung und leiten daraus Empfehlungen für das Haltungsmanagement ab. Parallel üben sie Fang- und Fixiertechniken an Modellen und diskutieren den Einsatz von Target Training als stressarme Alternative.

Lernfeld 7: Krankheiten erkennen

Zeitrichtwert: 80 Stunden (2. Ausbildungsjahr)

Zielformulierung:

Die Schülerinnen und Schüler erkennen Krankheitsanzeichen und leiten geeignete Massnahmen ein. Sie wirken bei tierärztlichen Behandlungen mit und führen Gesundheitsvorsorgemassnahmen durch.

Inhalte:

  • Allgemeine Krankheitsanzeichen: Verhaltensänderungen, Appetitlosigkeit, Apathie, Durchfall, Erbrechen
  • Physiologische Parameter: Körpertemperatur, Herz- und Atemfrequenz, Körperkondition
  • Infektionskrankheiten: viral, bakteriell, parasitär, mykotisch
  • Ekto- und Endoparasiten: Erkennung, Lebenszyklen, Bekämpfung
  • Zoonosen: Tollwut, Salmonellose, Tuberkulose, Psittakose, Leptospirose
  • Anzeigepflichtige Tierseuchen und Meldepflicht
  • Quarantänemassnahmen bei Neuzugängen und Verdachtsfällen
  • Mitwirkung bei tierärztlichen Untersuchungen: Fixieren, Probenentnahme (Blut, Kot, Abstrich)
  • Wundversorgung und Verbandtechnik
  • Medikamentengabe: oral, topisch, per Injektion (unter Anleitung)
  • Narkoseüberwachung und postoperative Betreuung
  • Gesundheitsvorsorge: Impfungen, Entwurmung, regelmäßige Gesundheitschecks
  • Dokumentation von Krankheitsfällen und Behandlungen

Typische Lernsituation: Ein Affe im Revier zeigt veränderte Futteraufnahme und zieht sich zurück. Die Auszubildenden erfassen die Symptome systematisch, messen (soweit möglich) physiologische Parameter, grenzen mögliche Ursachen ein (Infektion, Parasiten, Zahnprobleme, sozialer Stress), dokumentieren den Befund und leiten Sofortmaßnahmen ein (Isolation, Tierarzt informieren). Im Unterricht analysieren sie typische Zoonosen und besprechen die Meldepflicht bei anzeigepflichtigen Tierseuchen.

Lernfeld 8: Fortpflanzung und Zucht

Zeitrichtwert: 80 Stunden (2. Ausbildungsjahr)

Zielformulierung:

Die Schülerinnen und Schüler verstehen die Grundlagen der Fortpflanzungsbiologie und wirken bei Zuchtmassnahmen mit. Sie kennen die Bedeutung von Zuchtprogrammen für den Artenschutz.

Inhalte:

  • Fortpflanzungsbiologie: Geschlechtsbestimmung, Geschlechtsreife, Fortpflanzungszyklen
  • Fortpflanzungsstrategien: Oviparie, Viviparie, Ovoviviparie
  • Paarungssysteme: Monogamie, Polygynie, Polyandrie, Promiskuität
  • Brunst- und Balzverhalten erkennen
  • Trächtigkeit und Brutpflege: Tragzeiten, Brutzeiten, Nestbau
  • Geburtshilfe und Schlüpfhilfe (unter Anleitung)
  • Aufzucht von Jungtieren: Natürliche Aufzucht, Handaufzucht, Ammenaufzucht
  • Genetische Grundlagen: Vererbung, Inzucht, Heterosis, genetische Vielfalt
  • Zuchtprogramme: EEP (EAZA Ex-situ Programme), ESB (European Studbook), Zuchtbücher
  • Zuchtmanagement: Zuchtempfehlungen, Partnervermittlung, Populationsmanagement
  • Kontrazeption: Hormonelle Verhütung, Implantate, Kastration
  • Künstliche Befruchtung und Embryotransfer (Uberblick)
  • Artenschutz durch Zucht: Wiederansiedlungsprojekte, Reservepopulationen
  • Dokumentation: ZIMS, Zuchtbuchführung, Abstammungsnachweise

Typische Lernsituation: Der EEP-Koordinator empfiehlt die Zucht bei einem Paar Roten Pandas. Die Auszubildenden analysieren die Zuchtbucheinträge, überprüfen die Abstammung auf Verwandtschaft (Inzuchtkoeffizient), planen die Zusammenführung der Tiere, legen Beobachtungskriterien für Brunstverhalten fest und erstellen einen Plan für die Trächtigkeit und Aufzuchtphase. Sie diskutieren die Bedeutung des EEP für die Erhaltungszucht und vergleichen verschiedene Fortpflanzungsstrategien.

Lernfelder der Fachrichtung Zoo (3. Ausbildungsjahr)

Lernfeld 13: Aquarien und Terrarien einrichten und pflegen

Zeitrichtwert: 80 Stunden (3. Ausbildungsjahr)

Zielformulierung:

Die Schülerinnen und Schüler richten Aquarien und Terrarien fachgerecht ein und pflegen sie. Sie berücksichtigen die spezifischen Lebensraumansprüche der gehaltenen Arten und überwachen die technischen Systeme.

Inhalte:

  • Aquarientypen: Süßwasser-, Brackwasser- und Meerwasseraquarien
  • Aquarientechnik im Detail: Innen- und Aussenfilter, Rieselfilter, Eiweissabschäumer, Umkehrosmose
  • Wasserchemie: pH-Wert, Gesamthärte (GH), Karbonatehärte (KH), Leitfähigkeit
  • Stickstoffkreislauf: Ammoniak (NH3), Nitrit (NO2), Nitrat (NO3), Einfahrphase
  • Beleuchtungstechnik: LED, T5, HQI, Lichtspektrum und Photoperiode
  • Aquarienbepflanzung: Pflanzenwahl, Düngung, CO2-Versorgung
  • Dekoration: Wurzeln, Steine, Rückwände, naturnahe Gestaltung
  • Terrarientypen: Trockenterrarium, Regenwaldterrarium, Aquaterrarium, Paludarium, Insektarium
  • Terrarientechnik: Heizmatten, Spotstrahler, Keramikstrahler, UV-B-Lampen, Beregnungsanlagen
  • Temperaturgradienten und Wärmeinseln einrichten
  • Luftfeuchtigkeit regulieren: Beregnung, Vernebelung, Wasserbecken
  • Bodengrund: Sand, Kokossubstrat, Sphagnum, Laubstreu, Walderde
  • Bepflanzung von Terrarien: Epiphyten, Bromelien, Farne, Moose
  • Artspezifische Einrichtung für Schlangen, Echsen, Schildkröten, Amphibien
  • Wasserwechsel, Filterpflege, Algenbekämpfung
  • Wassertests durchführen und auswerten
  • Fischkrankheiten erkennen: Weisse-Punkte-Krankheit, Bauchwassersucht, Flossenfäule
  • Quarantäne für Neuzugänge in Aquarien und Terrarien

Typische Lernsituation: Die Auszubildenden planen die Einrichtung eines 500-Liter-Süßwasseraquariums für ostafrikanische Buntbarsche. Sie recherchieren die Wasserwerte des Malawisees (pH 7,8 bis 8,5, GH 6 bis 10), wählen passende Filterung und Beleuchtung, kalkulieren die Einfahrphase und den Besatz. Im Praxisunterricht messen sie Wasserparameter (pH, NH3, NO2, NO3), interpretieren die Ergebnisse und leiten Maßnahmen ab. Parallel planen sie ein Regenwaldterrarium für Taggeckos mit UV-B-Beleuchtung, Beregnungsanlage und Temperaturgradienten.

Lernfeld 14: Gehege und Volieren gestalten und instandhalten

Zeitrichtwert: 60 Stunden (3. Ausbildungsjahr)

Zielformulierung:

Die Schülerinnen und Schüler gestalten und halten Gehege und Volieren für die Haltung von Wildtieren in zoologischen Einrichtungen instand. Sie berücksichtigen artspezifische Anforderungen, Sicherheitsaspekte und Besucherbelange.

Inhalte:

  • Gehegetypen: Freigehege, Innengehege, kombinierte Anlagen, begehbare Anlagen
  • Volierentypen: Aussenvolieren, Innenvolieren, Freiflughallen, Greifvogelvolieren
  • Gehegeplanung: Größe, Struktur, Funktionsbereiche (Futter-, Schlaf-, Rückzugsplätze)
  • Mindestanforderungen an die Haltung nach Gutachten des BMEL (Säugetiergutachten, Papageiengutachten)
  • Materialien: Edelstahl, verzinktes Metall, Holz, Glas, Acrylglas, Netz (Edelstahlseil, Volierendraht)
  • Sicherheitseinrichtungen: Doppelschleusen, Sicherheitsschlösser, Alarmanlagen, Notabsperrungen
  • Gehegeabgrenzung: Trockenkräben, Wassergräben, Glasscheiben, E-Zaune
  • Bepflanzung: Auswahl geeigneter und ungiftiger Pflanzen, Strukturierung durch Vegetation
  • Bodengestaltung: Naturboden, Rasen, Sand, Rindenmulch, Kies, Kunstfels
  • Wasseranlagen: Teiche, Bäche, Badebecken, Wasseraufbereitung
  • Klimatisierung: Heizung, Belüftung, Kühlung für tropische und arktische Arten
  • Beleuchtung: Tageslichtlampen, UV-Versorgung, Tag-Nacht-Rhythmus
  • Regelmäßige Inspektion und Wartung: Zaunkontrolle, Schleusencheck, Technikprüfung
  • Instandsetzung und Reparatur: Schweissen, Streichen, Netze flicken
  • Besuchersicherheit: Absturzsicherung, Abstandsbarrieren, Warnschilder
  • Enrichment-Einrichtungen fest installieren: Kletterstrukturen, Schwungseile, Plattformen

Typische Lernsituation: Das Löwengehege soll im Rahmen einer Modernisierung umgestaltet werden. Die Auszubildenden erstellen eine Gehegebeschreibung mit Maßen und Funktionsbereichen, überprüfen die Mindestanforderungen nach dem Säugetiergutachten des BMEL, planen Sicherheitseinrichtungen (Doppelschleuse, Absperrschieber), wählen geeignete Materialien für Zaunanlage und Gehegeboden und entwerfen eine Bepflanzung mit ungiftigen Gehölzen. Sie berechnen die benötigte Heizleistung für das Innengehege.

Lernfeld 15: Wildtiere und gefährdete Haustierrassen betreuen

Zeitrichtwert: 80 Stunden (3. Ausbildungsjahr)

Zielformulierung:

Die Schülerinnen und Schüler betreuen Wildtiere und gefährdete Haustierrassen in zoologischen Einrichtungen. Sie kennen die Biologie und die Haltungsansprüche der Tierarten und wirken bei Zuchtprogrammen und Artenschutzmassnahmen mit.

Inhalte:

  • Systematik und Taxonomie: Einordnung der betreuten Wildtierarten
  • Biogeographie: Herkunft und natürliche Lebensräume der Zootiere
  • Anpassungen an verschiedene Lebensräume: Tropen, Savannen, Wüsten, polare Regionen, aquatisch
  • Artspezifische Haltungsanforderungen: Sozialstruktur, Raumbedarf, Klimaansprüche
  • Ernährung von Wildtieren: Spezielle Futterpläne für exotische Arten
  • Verhaltensbeobachtung: Ethogramme erstellen, Normalverhalten vs. Stereotypien
  • Enrichment-Massnahmen: Futter-Enrichment, sensorisches, kognitives, soziales Enrichment
  • Zuchtmanagement: Partnervermittlung, Zuchtbuchführung, genetische Analyse
  • EAZA Ex-situ Programme (EEP): Organisation, Koordination, Tieraustausch
  • European Studbooks (ESB) und internationale Zuchtbücher (ISB)
  • IUCN-Kategorien: CR, EN, VU, NT, LC (Gefährdungsstufen verstehen)
  • In-situ-Artenschutz: Wiederansiedlung, Habitatschutz, Feldprojekte
  • Gefährdete Haustierrassen: Erhaltungszucht, Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH)
  • Bestandsmanagement: Individuelle Erkennung, Markierung (Transponder, Ringe, Ohrmarken)
  • Dokumentation: ZIMS (Zoological Information Management System), Tierbestandslisten
  • Zusammenarbeit mit anderen Zoos, Behörden und Naturschutzorganisationen

Typische Lernsituation: Der Zoo erhält zwei Jungtiere einer bedrohten Art (z. B. Goldgelbes Löwenäffchen, IUCN-Status EN). Die Auszubildenden recherchieren die Biologie und Ökologie der Art, erstellen artspezifische Futterpläne, planen Enrichment-Maßnahmen, legen Beobachtungsprotokolle an und erarbeiten einen Steckbrief für ZIMS. Sie analysieren den EEP-Status der Art und diskutieren die Rolle von Zoos in der Erhaltungszucht und in In-situ-Projekten im atlantischen Regenwald Brasiliens.

Lernfeld 16: Öffentlichkeitsarbeit durchführen

Zeitrichtwert: 60 Stunden (3. Ausbildungsjahr)

Zielformulierung:

Die Schülerinnen und Schüler führen Massnahmen der Öffentlichkeitsarbeit in zoologischen Einrichtungen durch. Sie informieren Besucher über Tierarten, Artenschutz und die Arbeit des Zoos und tragen zur Umweltbildung bei.

Inhalte:

  • Aufgaben und Ziele der Öffentlichkeitsarbeit im Zoo
  • Vier Säulen moderner Zoos: Artenschutz, Bildung, Forschung, Erholung
  • Besucherführungen: Planung, Durchführung, Zielgruppenanpassung
  • Schaufütterungen und kommentierte Fütterungen
  • Beschilderung und Informationstafeln: Inhalt, Gestaltung, Standards (EAZA)
  • Zoopädagogik: Führungen für Schulklassen, Kindergeburtstage, Workshops
  • Umweltbildung: Artenschutz vermitteln, Nachhaltigkeitsthemen, Biodiversität
  • Veranstaltungen: Aktionstage, Artenschutztage, Zootage, Abendveranstaltungen
  • Medienarbeit: Pressemitteilungen, Interviews, Begleitung von Filmteams
  • Soziale Medien: Inhalte für Instagram, Facebook, TikTok, YouTube erstellen
  • Patenschaften und Fördervereine: Tierpaten betreuen, Spendenaktionen
  • Zusammenarbeit mit Zoopädagogen, Marketingabteilung und Zooleitung
  • Umgang mit kritischen Besucherfragen (Tierhaltung, Artenschutz-Ethik)
  • Barrierefreiheit und Inklusion in der Besucherkommunikation

Typische Lernsituation: Die Auszubildenden planen und proben eine kommentierte Pinguinfütterung für eine gemischte Besuchergruppe (Familien, Schulklasse, Seniorengruppe). Sie erarbeiten einen Vortrag über die Biologie der Humboldt-Pinguine, bereiten Antworten auf typische Besucherfragen vor, erstellen eine Informationstafel nach EAZA-Standards und diskutieren, wie sie kritische Fragen zur Haltung von Wildtieren im Zoo professionell beantworten. Anschließend entwerfen sie einen Social-Media-Beitrag über die Aktion.

Zusammenhang von Lernfeldern und Ausbildungsrahmenplan

Die Lernfelder des Berufsschulunterrichts korrespondieren mit den Positionen des betrieblichen Ausbildungsrahmenplans, sind aber nicht identisch. Während der Ausbildungsrahmenplan die betrieblichen Fertigkeiten und Kenntnisse beschreibt, formulieren die Lernfelder schulische Handlungskompetenzen. Beide Seiten der dualen Ausbildung ergänzen sich und bilden zusammen die berufliche Handlungsfähigkeit.

Lernfeld Korrespondierende Positionen Rahmenplan
LF 1Nr. 1 (Berufsbildung), Nr. 2 (Organisation), Nr. 3 (Arbeitsschutz), Nr. 4 (Umweltschutz)
LF 2Nr. 6 (Tierunterkünfte), Nr. 8 (Hygiene)
LF 3Nr. 5 (Pflegen, Halten, Versorgen), Nr. 9 (Futter und Einstreu)
LF 4Nr. 5 (Pflegen, Halten, Versorgen)
LF 5Nr. 10 (Verwahrung und Transport)
LF 6Nr. 5 (Pflegen, Halten, Versorgen), Nr. 12 (Mitwirken bei Behandlungen)
LF 7Nr. 7 (Krankheiten erkennen), Nr. 8 (Hygiene), Nr. 12 (Mitwirken bei Behandlungen)
LF 8Nr. 5 (Pflegen, Halten, Versorgen)
LF 13Fachrichtung Zoo Nr. 2 (Aquarien und Terrarien)
LF 14Fachrichtung Zoo Nr. 3 (Gehege und Volieren)
LF 15Fachrichtung Zoo Nr. 1 (Wildtiere und gefährdete Haustierrassen)
LF 16Fachrichtung Zoo Nr. 4 (Öffentlichkeitsarbeit), Nr. 11 (Kommunikation)

Allgemeinbildende Berufsschulfächer

Neben den berufsbezogenen Lernfeldern umfasst der Berufsschulunterricht auch allgemeinbildende Fächer. Die genaue Stundenzahl und Aufteilung variiert je nach Bundesland, folgt aber einem gemeinsamen Rahmen. Diese Fächer tragen zur umfassenden beruflichen Handlungskompetenz bei und sind teilweise auch prüfungsrelevant (insbesondere Wirtschaftskunde im Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde).

Fach Inhalte und Bedeutung für die Ausbildung
Deutsch / Kommunikation Fachtexte lesen und verstehen, Berichte und Protokolle verfassen, Berichtsheft führen, Besucherkommunikation, Präsentationen erstellen. Diese Kompetenz ist besonders wichtig für die Dokumentation und die Öffentlichkeitsarbeit.
Gemeinschaftskunde / Sozialkunde Politische Bildung, gesellschaftliche Zusammenhänge, Demokratie und Mitbestimmung, Umweltpolitik, Verbraucherschutz. Hier werden auch Themen wie der gesellschaftliche Stellenwert von Tierhaltung und Artenschutz diskutiert.
Wirtschaftskunde Grundlagen der Wirtschaft, Arbeitsrecht, Sozialversicherung, Tarifverträge, Betriebswirtschaft. Dieser Bereich ist direkt prüfungsrelevant für den schriftlichen Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde in der Abschlussprüfung.
Religionslehre / Ethik Ethische Fragestellungen, Verantwortung gegenüber Lebewesen, Tierethik, Umgang mit Tod und Sterben. Für Tierpfleger/innen besonders relevant im Kontext von Tierhaltung, Artenschutz und der Frage, ob und wie Wildtiere in menschlicher Obhut gehalten werden sollten.
Sport / Gesundheitsförderung Körperliche Fitness, Rückengesundheit, Ergonomie am Arbeitsplatz, Stressbewältigung. Aufgrund der körperlichen Anforderungen des Berufs ein wichtiges Fach zur Prävention von Berufskrankheiten.

Gesamtstundenübersicht nach Ausbildungsjahr

Ausbildungsjahr Lernfelder Berufsbezogene Stunden
1. Ausbildungsjahr LF 1 (40 Std.), LF 2 (80 Std.), LF 3 (80 Std.), LF 4 (80 Std.) 280 Stunden
2. Ausbildungsjahr LF 5 (40 Std.), LF 6 (80 Std.), LF 7 (80 Std.), LF 8 (80 Std.) 280 Stunden
3. Ausbildungsjahr (Zoo) LF 13 (80 Std.), LF 14 (60 Std.), LF 15 (80 Std.), LF 16 (60 Std.) 280 Stunden
Gesamt berufsbezogener Unterricht 840 Stunden

Hinweis: Die Lernfelder 9 bis 12 gehören zu den Fachrichtungen Forschung und Klinik (LF 9 bis 12) bzw. Tierheim und Tierpension (LF 9 bis 12 mit abweichenden Inhalten) und werden auf dieser Plattform nicht behandelt, da der Schwerpunkt auf der Fachrichtung Zoo liegt.

Quellen

Wissen testen: Lernfelder