Zoo Basel (Zolli)

Der Zoo Basel, von den Einheimischen liebevoll "Zolli" genannt, ist der älteste Zoo der Schweiz und einer der traditionsreichsten zoologischen Gärten Europas. Seit seiner Gründung im Jahr 1874 hat er sich von einer bescheidenen einheimischen Tiersammlung zu einem international anerkannten Zoo entwickelt, der für seine herausragenden Zuchterfolge und sein Engagement im Artenschutz bekannt ist. Trotz seiner begrenzten Fläche mitten in der Stadt Basel hat der Zolli immer wieder Pionierarbeit in der Tierhaltung geleistet.

Geschichte: Der älteste Zoo der Schweiz (1874)

Der Zoo Basel wurde am 3. Juli 1874 eröffnet und blickt auf über 150 Jahre Geschichte zurück. 2024 feierte der Zolli sein 150-jähriges Jubiläum. In seinen Anfängen zeigte der Zoo hauptsächlich einheimische Tierarten und einige Haustiere. Im Laufe der Jahrzehnte erweiterte sich das Spektrum stetig um exotische Arten aus aller Welt.

Der Zoo Basel liegt auf einer Fläche von rund 11 Hektar direkt in der Basler Innenstadt, was sowohl eine besondere Stärke als auch eine Herausforderung darstellt: Die zentrale Lage macht ihn zum meistbesuchten kulturellen Angebot der Region Basel, begrenzt aber gleichzeitig die Möglichkeiten zur Flächenerweiterung. Der Zoo hat darauf mit innovativen architektonischen Lösungen reagiert und nutzt den verfügbaren Raum maximal effizient.

Über die Jahrzehnte hat der Zolli zahlreiche Gebäude und Anlagen errichten lassen, die jeweils den aktuellen Erkenntnissen der Tierhaltung entsprachen. Mehrfach wurden ältere Anlagen abgerissen und durch moderne, tiergerechte Bauten ersetzt. Dieser kontinuierliche Erneuerungsprozess hat den Zoo zu dem gemacht, was er heute ist: eine Mischung aus historischem Erbe und modernen Tierhaltungsstandards.

Meilensteine der Zoo-Geschichte

1874: Eröffnung als erster Zoo der Schweiz. 1929: Erstes Aquarium. 1935: Erstes Vogelhaus. 1969: Erstmals Nachzucht des Indischen Panzernashorns in einem europäischen Zoo. 2001: Eröffnung des Etoscha-Hauses. 2019: Ablehnung des Ozeaniums durch Volksabstimmung. 2024: 150-jähriges Jubiläum mit Sondereintritt von 1,50 Franken.

Etoscha-Haus

Das Etoscha-Haus wurde im März 2001 eröffnet und ist eine der bedeutendsten Anlagen des Zoo Basel. Es wurde vom Architekten Peter Stiner entworfen und besticht durch seine innovative Bauweise, die traditionelle Bautechniken mit modernen Anforderungen verbindet.

Das zentrale Thema des Etoscha-Hauses ist der Nahrungskreislauf in der afrikanischen Savanne: Pflanzen, Pflanzenfresser, Raubtiere und Aasfresser werden in einem zusammenhängenden Konzept präsentiert. Das Motto lautet "Fressen und Gefressenwerden". Den Besuchern wird so der ökologische Kreislauf von Wachstum, Nahrungsaufnahme und Zersetzung veranschaulicht.

Im Etoscha-Haus leben unter anderem Flusspferde (Hippopotamus amphibius) und Spitzmaulnashörner in grosszügigen Innenanlagen, die durch grosse Glasscheiben einsehbar sind. Eine Unterwasser-Beobachtungsstation ermöglicht es, die Flusspferde beim Tauchen zu beobachten. Darüber hinaus beherbergt das Haus verschiedene afrikanische Vogelarten und Reptilien.

Für Tierpfleger stellt das Etoscha-Haus besondere Herausforderungen: Die Betreuung von Grosssäugern wie Nashörnern und Flusspferden erfordert strengste Sicherheitsprotokolle. Die Wasserqualität in den Flusspferdbecken muss täglich überwacht und aufwendig gefiltert werden. Die Klimatisierung des Hauses muss tropische Bedingungen ganzjährig aufrechterhalten.

Ozeanium-Projekt

Das Ozeanium sollte als grösstes Aquarium der Schweiz ein Leuchtturmprojekt für den Meeresschutz werden. Die Planungen sahen ein mehrstöckiges Gebäude am Heuwaage-Viadukt vor, das verschiedene marine Ökosysteme von der Nordsee über das Mittelmeer bis zu den tropischen Korallenriffen zeigen sollte. Rund 10.000 Meerestiere aus über 400 Arten sollten in grossen Meerwasserbecken leben.

Am 19. Mai 2019 wurde das Ozeanium-Projekt in einer Volksabstimmung von der Basler Stimmbevölkerung abgelehnt. Die Gegner argumentierten mit Tierschutzbedenken bezüglich der Haltung von Meeresfischen und Haien in Gefangenschaft, dem hohen Energieverbrauch für die Meerwasseraufbereitung und der Klimatisierung sowie den Auswirkungen auf das Stadtbild. Die Ablehnung war ein Einschnitt für den Zoo Basel, der seine Zukunftsplanung daraufhin grundlegend überarbeiten musste.

Die Debatte um das Ozeanium war auch für die Zoobranche insgesamt bedeutsam, da sie grundsätzliche Fragen zur Legitimation der Haltung von Meerestieren in zoologischen Einrichtungen aufwarf. Der Zoo Basel konzentriert sich seither auf die Modernisierung seiner bestehenden Anlagen und die Stärkung seines Artenschutzengagements.

Zuchtgeschichte

Der Zoo Basel hat eine der beeindruckendsten Zuchtgeschichten aller europäischen Zoos. Mehrere international bedeutsame Erstzuchten gelangen in Basel und trugen massgeblich zur Erhaltung bedrohter Arten bei.

Panzernashorn (Rhinoceros unicornis)

Der Zoo Basel ist weltberühmt für seine Zucht des Indischen Panzernashorns. 1956 kamen die ersten Panzernashörner nach Basel, und 1969 gelang die erste erfolgreiche Nachzucht eines Panzernashorns in Europa. Seither hat der Zolli über 30 Panzernashörner nachgezogen und damit einen unschätzbaren Beitrag zum internationalen EEP-Zuchtprogramm geleistet. Zahlreiche in Basel geborene Tiere wurden an andere Zoos weltweit abgegeben und bilden die Grundlage für viele heutige Zuchtgruppen. Der Zoo Basel gilt als einer der wichtigsten Halter und Züchter dieser bedrohten Art weltweit.

Flamingos

Bereits in den 1950er Jahren gelang dem Zolli die regelmässige Nachzucht von Rosaflamingos (Phoenicopterus roseus). Die Basler Flamingokolonie gehört zu den ältesten und erfolgreichsten in Europa. Durch genaue Beobachtung der Brutbedingungen konnten die Pfleger optimale Voraussetzungen für die Eiablage und Aufzucht schaffen: flache Schlamminseln als Nistplätze, konstante Wassertemperaturen und eine spezielle Fütterung mit Carotinoiden zur Erhaltung der rosa Federfärbung.

Weitere Zuchterfolge

Neben Panzernashörnern und Flamingos gelangen dem Zoo Basel auch bedeutende Zuchterfolge bei Westlichen Flachlandgorillas, Zwergflusspferden, Somali-Wildeseln und verschiedenen Reptilienarten. Der Zoo beteiligt sich an über 50 EEP-Zuchtprogrammen und führt für mehrere Arten das europäische Zuchtbuch.

ArtErste Nachzucht in BaselBedeutung
Panzernashorn1969Erste europäische Nachzucht, über 30 Jungtiere seither
Zwergflusspferd1950er JahreRegelmässige Nachzucht einer stark bedrohten Art
Westlicher Flachlandgorilla1959Eine der ersten erfolgreichen Gorilla-Nachzuchten in Europa
Rosaflamingo1958Eine der ältesten Zuchtkolonien Europas
Somali-Wildesel1970er JahreBeitrag zur Erhaltung einer vom Aussterben bedrohten Art

Artenschutz

Der Zoo Basel engagiert sich auf mehreren Ebenen für den Artenschutz. Als Mitglied der EAZA beteiligt er sich an zahlreichen EEP-Zuchtprogrammen und trägt durch die Nachzucht bedrohter Arten zur Erhaltung genetisch gesunder Populationen bei.

Über die Ex-situ-Erhaltungszucht hinaus unterstützt der Zolli verschiedene In-situ-Naturschutzprojekte in den Ursprungsländern seiner Tiere. Dazu gehören der Schutz von Lebensräumen, die Finanzierung von Anti-Wilderei-Massnahmen und die Unterstützung lokaler Naturschutzorganisationen.

Ein wichtiger Aspekt der Artenschutzarbeit des Zoo Basel ist die Forschung. Der Zoo kooperiert mit verschiedenen Universitäten und Forschungsinstituten und ermöglicht wissenschaftliche Studien zu Tierverhalten, Fortpflanzungsbiologie, Veterinärmedizin und Ökologie. Die gewonnenen Erkenntnisse fliessen direkt in die Verbesserung der Tierhaltung und in Schutzprogramme ein.

Die Umweltbildung bildet die dritte Säule des Artenschutzengagements. Durch Führungen, Vorträge, Workshops und Informationstafeln sensibilisiert der Zoo Basel seine jährlich über eine Million Besucher für die Bedrohung der Biodiversität und die Möglichkeiten, im Alltag zum Naturschutz beizutragen.

Quellen und weiterführende Links

Wissen testen: Zoo Basel