Amphibien in der Wildtierpflege

Amphibien (Amphibia) sind mit über 8.000 beschriebenen Arten die älteste Klasse der Landwirbeltiere. Ihre permeable Haut macht sie besonders empfindlich gegenüber Umweltveränderungen und Schadstoffen. Dies stellt hohe Anforderungen an die Wasserqualität und Hygiene in der Haltung. Gleichzeitig gelten Amphibien als die am stärksten bedrohte Wirbeltierklasse: über 40% aller Arten sind vom Aussterben bedroht, und das globale Amphibiensterben gilt als eine der grössten Biodiversitätskrisen unserer Zeit.

In Zoos und Aquarien spielen Amphibien eine zunehmend wichtige Rolle in Artenschutzprogrammen. Viele Einrichtungen beteiligen sich an Zuchtprogrammen und Wiederansiedlungsprojekten, um dem globalen Amphibiensterben entgegenzuwirken. Das Citizen Conservation Programm (CC) in Deutschland verbindet Zoos mit erfahrenen Privathaltern, um gemeinsam bedrohte Amphibienarten zu züchten. Stand Ende 2023 umfasst CC eine Population von über 2.000 Amphibien aus 17 Arten in 190 Haltungen.

Frösche und Kröten (Anura)

Froschlurche bilden mit über 7.000 Arten die grösste Amphibienordnung. In der Zootierhaltung sind besonders farbenprächtige und ökologisch interessante Arten vertreten. Froschlurche durchlaufen eine Metamorphose: Aus aquatischen Kaulquappen entwickeln sich terrestrische oder semi-aquatische Adulttiere. Diese Transformation erfordert bei der Zucht im Zoo unterschiedliche Haltungsbedingungen für die verschiedenen Entwicklungsstadien.

Pfeilgiftfrösche (Dendrobatidae)

Pfeilgiftfrösche gehören zu den beliebtesten Amphibien in Zoos und Privathand. Die Färbung reicht von leuchtendem Rot (Erdbeerfrosch, Oophaga pumilio) über Blau (Blauer Baumsteiger, Dendrobates tinctorius azureus) bis zu Gelb-Schwarz (Schrecklicher Pfeilgiftfrosch, Phyllobates terribilis). In der Natur produzieren sie hochpotente Hautgifte (Batrachotoxine bei Phyllobates, Pumiliotoxine bei Oophaga), die aus der Nahrung (Ameisen, Milben, Käfer) stammen. In Gefangenschaft gehaltene Tiere verlieren ihre Giftigkeit innerhalb weniger Monate, da die Giftquelle fehlt.

Die Haltung erfolgt in tropischen Regenwaldterrarien mit Temperaturen von 22-26 Grad Celsius, einer Luftfeuchtigkeit von 80-100% und dichter Bepflanzung. Die Einrichtung eines Pfeilgiftfrosch-Terrariums ist ein eigenes Fachgebiet:

Die Fütterung besteht aus Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster und D. hydei), Springschwänzen (Collembola), kleinen Heimchen und tropischen Asseln. Alle Futterinsekten werden vor der Verfütterung mit Vitamin- und Calciumpulver bestäubt (Dusting). Die Zucht von Pfeilgiftfröschen ist in vielen Zoos erfolgreich: Die Männchen transportieren die geschlüpften Kaulquappen auf dem Rücken zu Wasseransammlungen in Bromelien, wo die Larvalentwicklung stattfindet.

Laubfrösche (Hylidae)

Rotaugenlaubfrosch (Agalychnis callidryas), Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea) und Korallenfinger-Laubfrosch (Litoria caerulea) sind beliebte Terrarienbewohner. Laubfrösche sind Kletterer mit Haftscheiben an den Zehen und benötigen hohe Terrarien mit vertikaler Strukturierung. Der Europäische Laubfrosch unterliegt strengem Schutz (FFH-Richtlinie Anhang IV) und darf nur mit Herkunftsnachweis gehalten werden. Der Rotaugenlaubfrosch aus Mittelamerika klebt seine Eier auf Blätter über dem Wasser. Die geschlüpften Kaulquappen fallen ins Wasser und entwickeln sich dort weiter.

Mantellen (Mantellidae)

Mantellen sind auf Madagaskar endemische Frösche, die den Pfeilgiftfröschen Südamerikas in Grösse und Farbenpracht ähneln (konvergente Evolution). Goldene Mantellen (Mantella aurantiaca) sind IUCN-kritisch bedroht und werden in EEP-Programmen koordiniert. Die Haltung ähnelt der von Pfeilgiftfröschen, erfordert aber eine kühlere Nachtabsenkung (18-20 Grad Celsius) und eine ausgeprägte Regenzeit-Simulation zur Zuchtauslösung.

Weitere Froschlurche

Hornfrösche (Ceratophrys): Grosse, bodenbewohnende Frösche aus Südamerika mit enormem Maul (Spitzname: Pac-Man-Frösche). Fütterung mit Mäuschen, Regenwürmern und grossen Insekten. Sie graben sich in Substrat ein und lauern auf Beute.

Afrikanischer Krallenfrosch (Xenopus laevis): Vollaquatischer Frosch, der in Aquarien gehalten wird. Wichtiges Versuchstier in der Forschung. Robust und anspruchslos, Wassertemperatur 18-24 Grad Celsius. Wird als Überträger von Batrachochytrium dendrobatidis diskutiert, da Xenopus den Pilz tragen kann, ohne selbst zu erkranken.

Aga-Kröte (Rhinella marina): Grösste Kröte der Welt (bis 25 cm), ursprünglich aus Mittel- und Südamerika. In Australien als invasive Art problematisch. Produziert toxische Hautsekrete (Bufotoxin) aus den Parotoiddrüsen hinter den Augen.

Molche und Salamander (Urodela)

Schwanzlurche umfassen etwa 770 Arten. Sie zeichnen sich durch die bemerkenswerte Fähigkeit zur Regeneration verlorener Gliedmassen aus und sind häufig an feuchte Lebensräume gebunden. Schwanzlurche stehen weltweit unter besonderem Druck durch den Salamanderpilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal).

Feuersalamander (Salamandra salamandra)

Der Feuersalamander ist der bekannteste mitteleuropäische Schwanzlurch. Seine schwarz-gelbe Warnfärbung signalisiert die Giftigkeit der Hautdrüsen (Samandarin, ein Alkaloid). In der Haltung benötigt er ein kühles (15-20 Grad Celsius), feuchtes Terrarium mit Versteckmöglichkeiten unter Rinde, Steinen und Moos. Feuersalamander sind nachtaktiv und fressen Regenwürmer, Schnecken und Insekten. Die Fortpflanzung ist ovovivipar: Weibchen setzen fertig entwickelte Larven (10-70 Stück) im Wasser ab.

Der Feuersalamander ist durch den Bsal-Pilz akut bedroht. In Deutschland wurde Bsal mittlerweile in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen nachgewiesen. In einigen Regionen (Eifel, Ruhrgebiet) sind lokale Populationen bereits zusammengebrochen. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat zwischen 2018 und 2021 ein Forschungsprojekt zum Monitoring und zur Entwicklung von Vorsorgemassnahmen gefördert.

Axolotl (Ambystoma mexicanum)

Der Axolotl ist ein neotener Schwanzlurch, der zeitlebens im Larvenstadium verbleibt und seine federartigen Kiemenbüschel behält. Er stammt aus dem Xochimilco-See bei Mexiko-City und ist in der Wildnis kritisch bedroht (IUCN: Critically Endangered, weniger als 1.000 Tiere in der Natur). In Gefangenschaft existieren dagegen Millionen von Axolotln. Der Axolotl ist ein Modellorganismus der Regenerationsforschung: Er kann Gliedmassen, Teile des Herzens, der Augen und des Gehirns vollständig regenerieren.

Haltungsanforderungen Axolotl

  • Aquariengrösse: mindestens 80 x 40 cm Grundfläche für 1-2 Tiere (100 Liter)
  • Wassertemperatur: 16-20 Grad Celsius (Kühlung im Sommer notwendig, Temperaturen über 22 Grad können tödlich sein)
  • pH-Wert: 7,0-8,0
  • Wasserhärte: mittelhart (GH 10-20 dGH)
  • Bodengrund: feiner Sand (Korngrösse unter 1 mm) oder kein Bodengrund (Verschluckungsgefahr bei Kies)
  • Verstecke: Höhlen, Tonröhren, Pflanzen (Javafarn, Anubia, Wasserpest)
  • Beleuchtung: gedämpft, keine direkte starke Beleuchtung
  • Filterung: sanfte Strömung (Hamburger Mattenfilter ideal)
  • Fütterung: Regenwürmer (Hauptnahrung), Mückenlarven, Pellets, Fischstücke

Riesensalamander (Andrias spp.)

Der Japanische Riesensalamander (Andrias japonicus) und der Chinesische Riesensalamander (Andrias davidianus) sind die grössten lebenden Amphibien und erreichen Längen von über 1,5 m. Sie sind vollaquatisch und benötigen kühle (10-18 Grad Celsius), sauerstoffreiche Fliessgewässer. In Zoos werden sie in grossen Kaltwasseraquarien mit starker Strömung gehalten. Der Chinesische Riesensalamander ist durch Überfischung für den Verzehr kritisch bedroht und wird in einem EEP koordiniert.

Molche (Triturus, Cynops, Tylototriton)

Kammmolche (Triturus cristatus), Feuerbauchmolche (Cynops pyrrhogaster) und Krokodilmolche (Tylototriton spp.) werden in Aquaterrarien gehalten. Die meisten Arten leben in der Wasserphase aquatisch und benötigen während der Landphase ein feuchtes Terrarium. Der Vietnamesische Krokodilmolch (Tylototriton vietnamensis) wird vom Kölner Zoo im EEP koordiniert. Feuerbauchmolche produzieren ein Hautgift (Tetrodotoxin, dasselbe Gift wie im Kugelfisch) und sollten nur mit Handschuhen angefasst werden.

Blindwühlen (Gymnophiona)

Blindwühlen sind die am wenigsten bekannte Amphibienordnung. Diese beinlosen, wurmähnlichen Amphibien leben überwiegend unterirdisch in tropischen Regionen. Etwa 215 Arten sind beschrieben. In Zoos werden sie selten gehalten, einige Arten wie die Ringelwühle (Siphonops annulatus) und aquatische Arten der Gattung Typhlonectes sind gelegentlich zu sehen.

Die Haltung terrestrischer Blindwühlen erfolgt in Terrarien mit tiefem, feuchtem Substrat (mindestens 15 cm Kokoshumus). Die Temperatur beträgt 22-26 Grad Celsius. Blindwühlen sind lichtscheu und nachtaktiv. Eine Besonderheit bei der Ringelwühle: Die Mutter bildet eine spezielle nährstoffreiche Hautschicht, die von den Jungtieren abgeweidet wird (Dermatophagie). Aquatische Blindwühlen (Typhlonectes) werden in Aquarien bei 24-28 Grad Celsius gehalten.

Metamorphose in der Amphibienzucht

Die Metamorphose ist die dramatische Verwandlung von der aquatischen Larve zum terrestrischen oder semi-aquatischen Adulttier. Bei der Zucht von Amphibien im Zoo müssen die verschiedenen Entwicklungsstadien gezielt unterstützt werden:

Stadium Dauer Haltungsbedingungen Fütterung
Eier/Laich 3-21 Tage Ruhiges, sauberes Wasser, keine Strömung Keine (Dottervorrat)
Kaulquappen (früh) 2-8 Wochen Flaches Wasser, leichte Filterung Spirulina, gekochter Salat, Fischfutterstaub
Kaulquappen (spät) 4-16 Wochen Wasserstand erhöhen, Landausstieg vorbereiten Fischfutterflocken, Mückenlarven
Metamorphose 1-4 Wochen Schräggestelltes Becken mit Landteil Kein Futter (Schwanzreserven)
Jungtier Ab Metamorphose Feuchtes Terrarium Springschwänze, kleine Fruchtfliegen

Terraristik und Aquaterraristik

Terrarientypen für Amphibien

Typ Beschreibung Geeignet für
Regenwaldterrarium Hohe Luftfeuchtigkeit (80-100%), dichte Bepflanzung, Beregungsanlage Pfeilgiftfrösche, Laubfrösche, Mantellen
Aquaterrarium Kombination aus Wasser- und Landteil, Übergangszone Molche, Unken, Krallenfösche
Paludarium Grosser Wasserteil mit Sumpfzone und Landteil Kröten, grosse Frösche, Feuersalamander
Aquarium (kühl) Vollaquatisch, 16-20 Grad Celsius, sanfte Filterung Axolotl, Riesensalamander
Aquarium (tropisch) Vollaquatisch, 24-28 Grad Celsius Aquatische Blindwühlen, Krallenfösche

Wasserqualität

Amphibien sind extrem empfindlich gegenüber Wasserverunreinigungen. Die permeable Haut nimmt Schadstoffe direkt auf. Leitungswasser muss entchlort werden. Kupfer ist bereits in Spuren für Amphibien toxisch. Die wichtigsten Wasserparameter:

Hygiene und Biosicherheit

Zwischen verschiedenen Amphibienbeständen müssen strenge Hygienemassnahmen eingehalten werden:

Bedrohung durch den Chytridpilz

Der Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) ist der Verursacher der Chytridiomykose, einer Pilzerkrankung, die weltweit zum Rückgang und Aussterben von Amphibienpopulationen führt. Seit den 1990er Jahren hat der Pilz zum Verschwinden von über 90 Amphibienarten beigetragen. Der Pilz befällt die keratinhaltige Schicht der Amphibienhaut und stört den Elektrolyttransport, was zum Herzstillstand führen kann.

Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal), auch als Salamanderpest bezeichnet, bedroht gezielt Schwanzlurche und wurde erstmals 2013 in den Niederlanden nachgewiesen. Bsal stammt vermutlich aus Ostasien und wurde durch den Handel mit asiatischen Molchen nach Europa eingeschleppt. Der Feuersalamander ist besonders anfällig: Infektionen führen bei dieser Art fast immer zum Tod.

Chytridiomykose: Symptome und Massnahmen

Symptome bei Bd (Froschlurche):

  • Hautveränderungen: Verdickung, Ablösung, graue Verfärbung
  • Lethargie, Appetitlosigkeit
  • Abnormale Haltung (Beine gespreizt)
  • Verlust des Aufrichtungsreflexes

Symptome bei Bsal (Schwanzlurche):

  • Hautnekrosen und tiefe Geschwüre
  • Apathie, Futterverweigerung
  • Tod innerhalb weniger Tage bis Wochen

Massnahmen:

  • Sofortige Isolation betroffener Tiere
  • Diagnose durch Hautabstrich und PCR-Test
  • Behandlung Bd: Itraconazol-Bäder (0,01%, 5 Minuten/Tag, 10 Tage)
  • Alternativ: Wärmebehandlung bei 25-30 Grad Celsius
  • Behandlung Bsal: Kombination aus Antimykotika und Wärme (25 Grad, mindestens 10 Tage)
  • Desinfektion aller Geräte mit Virkon S (1%) oder Bleiche (10%)

Citizen Conservation und Artenschutz

Citizen Conservation (CC) ist ein innovatives Artenschutzprogramm, das Zoos, private Halter und wissenschaftliche Institutionen vernetzt. Das Programm wurde von der DGHT, dem Kölner Zoo und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt ins Leben gerufen. Beteiligte Privathalter erhalten Tiere aus Zoopopulationen, züchten unter fachlicher Anleitung und tauschen Nachzuchten über das CC-Netzwerk aus. So wird die genetische Diversität maximiert.

Die Amphibian Ark Initiative koordiniert weltweite Ex-situ-Schutzprogramme. Erfolgsbeispiele sind die Zuchtprogramme für die Mallorca-Geburtshelferkröte (Alytes muletensis, durch Zucht in Jersey Zoo gerettet) und den Panamaischen Goldenen Frosch (Atelopus zeteki). In Deutschland engagiert sich der Kölner Zoo für den Vietnamesischen Krokodilmolch und der Allwetterzoo Münster für die Kihansi-Gischtkröte (Nectophrynoides asperginis).

Quellen

Wissen testen: Amphibien