Zoo Zürich

Der Zoo Zürich gehört zu den renommiertesten zoologischen Gärten Europas und verbindet Tierhaltung auf höchstem Niveau mit globalem Artenschutzengagement. Mit seinem ambitionierten Entwicklungsplan, der auf das Jahr 2050 ausgerichtet ist, setzt er Massstäbe für moderne Zoologie. Für angehende Tierpfleger in der Schweiz ist der Zoo Zürich einer der wichtigsten Ausbildungs- und Arbeitsorte.

Geschichte und Grösse

Der Zoo Zürich wurde am 16. Februar 1928 von der Tiergarten-Gesellschaft Zürich gegründet. Nach einer elfmonatigen Bauphase öffnete er am 7. September 1929 seine Tore für das Publikum. Der Zoo liegt oberhalb der Stadt auf dem Zürichberg im Quartier Fluntern, eingebettet in eine hügelige Waldlandschaft.

Die Fläche des Zoos hat sich über die Jahrzehnte stetig vergrössert: Im Jahr 2006 umfasste das Gelände knapp 15 Hektar, bis 2020 wuchs es auf 27 Hektar an. Heute leben auf dieser Fläche über 8000 Tiere aus rund 320 Arten. Bewusst wurde in den letzten Jahrzehnten die Arten- und Individuenzahl zugunsten grösserer, naturnaher Gehege reduziert. Dieser Ansatz entspricht dem modernen zoologischen Konzept, weniger Arten in besserer Qualität zu halten.

1993 verabschiedete der Zoo seinen Masterplan, der die schrittweise Umwandlung in einen Naturschutzzoo vorsieht. Bis 2050 sollen elf grosse, nach Ökosystemen gegliederte Lebensräume entstehen und die klassische Käfig- und Einzelgehege-Haltung vollständig ablösen. Die bisherigen Meilensteine sind die Masoala Regenwaldhalle (2003), der Kaeng Krachan Elefantenpark (2014) und die Lewa Savanne (2020).

Zukunftsprojekte

2025 kehrten Asiatische Löwen, Amurtiger, Schneeleoparden und Rote Pandas nach mehrjähriger Pause in den Zoo Zürich zurück. Ab 2026 entsteht der Ndoki-Garten mit tropischen Bäumen und afrikanischen Vögeln als Vorstufe für den Ndoki-Wald, der 2031 eröffnet werden soll. Dort werden Gorillas, Drills, Okapis und Zwergflusspferde ein gemeinsames Habitat bewohnen.

Masoala Regenwaldhalle

Die Masoala Regenwaldhalle wurde 2003 eröffnet und bildet auf rund 11.000 Quadratmetern ein Stück des Masoala-Regenwaldes von Madagaskar nach. Sie ist eine der grössten begehbaren Tropenhallen Europas und war bei ihrer Eröffnung ein Pionierprojekt in der Zoowelt.

In der Halle herrschen ganzjährig tropische Bedingungen: Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad Celsius sowie eine Luftfeuchtigkeit von 80 bis 100 Prozent. Die Vegetation besteht aus echten madagassischen Pflanzenarten, die ein dichtes Kronendach bilden. Über 50 Wirbeltierarten mit rund 300 Individuen leben frei in der Halle, darunter verschiedene Lemurenarten (Rote Varis, Weissköpfige Makis), Chamäleons, Taggeckos, Flughunde und zahlreiche tropische Vogelarten.

Die Baukosten betrugen rund 52 Millionen Schweizer Franken, die grösstenteils durch Spenden finanziert wurden. Die Halle dient nicht nur der Tierhaltung, sondern auch der Umweltbildung: Besucher erleben ein tropisches Ökosystem unmittelbar und lernen die Bedrohungen des madagassischen Regenwaldes kennen.

Für Tierpfleger stellt die Arbeit in der Masoala Halle besondere Anforderungen: Die freilebenden Tiere müssen in einem offenen System beobachtet und gepflegt werden, Fütterung und Gesundheitskontrolle erfolgen ohne feste Gehegestrukturen. Die Pflege der tropischen Vegetation ist ebenso Teil der Aufgaben wie die Klimasteuerung der Halle.

Kaeng Krachan Elefantenpark

Der Kaeng Krachan Elefantenpark wurde 2014 eröffnet und bietet den Asiatischen Elefanten des Zoo Zürich auf rund 11.000 Quadratmetern grosszügige Innen- und Aussenbereiche. Die Anlage ist nach dem Kaeng Krachan Nationalpark in Thailand benannt, dem grössten Schutzgebiet des Landes.

Das Herzstück der Anlage ist eine weitläufige Badelandschaft, die den Elefanten natürliches Verhalten wie Baden, Spielen im Wasser und Schlammbäder ermöglicht. Die Innenanlage verfügt über beheizte Böden und flexible Abtrennungen, die ein differenziertes Management der Herde ermöglichen. Dies ist besonders wichtig für die Trennung von Mutter und Jungtier, die Behandlung kranker Tiere oder das Management von Bullen.

Die Tierpfleger im Elefantenpark arbeiten im sogenannten Protected Contact: Sie haben keinen direkten Kontakt zu den Elefanten, sondern arbeiten stets durch eine Schutzbarriere hindurch. Die Elefanten werden durch positives Verstärkungstraining (Positive Reinforcement Training, PRT) für medizinische Untersuchungen und Pflegemassnahmen kooperiert. Dieses Haltungssystem ist sicherer für Pfleger und stressärmer für die Tiere als der traditionelle Free Contact.

Lewa Savanne

Die Lewa Savanne wurde 2020 als bisher grösstes Projekt des Zoo Zürich eröffnet. Sie erstreckt sich über 5,6 Hektar und ist damit die grösste einzelne Anlage des Zoos. Die Anlage ist nach der Lewa Wildlife Conservancy in Kenia benannt, einem Artenschutzgebiet, das der Zoo Zürich seit vielen Jahren unterstützt.

In der Lewa Savanne leben 15 Tierarten in einer weitläufigen, ostafrikanischen Savannenlandschaft: Giraffen, Breitmaulnashörner, Grevyzebras, verschiedene Antilopenarten, Strausse, Erdmännchen und Tüpfelhyänen. Die Vergesellschaftung verschiedener Arten in einer grossen Anlage entspricht dem modernen Konzept der Gemeinschaftshaltung und ermöglicht den Tieren vielfältige soziale Interaktionen und natürliches Verhalten.

Für Tierpfleger ist die Arbeit in der Lewa Savanne besonders vielseitig: Die Betreuung mehrerer Tierarten in einem gemeinsamen Lebensraum erfordert umfassendes Wissen über das Verhalten und die Bedürfnisse jeder einzelnen Art. Das Management von potenziell gefährlichen Arten wie Nashörnern und Hyänen verlangt höchste Aufmerksamkeit und die Einhaltung strenger Sicherheitsprotokolle.

Artenschutzprojekte

Der Zoo Zürich engagiert sich in acht Schwerpunkt-Naturschutzprojekten auf vier Kontinenten. Jedes Projekt ist thematisch mit einer der grossen Anlagen im Zoo verknüpft, sodass Besucher den Zusammenhang zwischen Zoohaltung und Naturschutz direkt erleben können.

Masoala-Projekt (Madagaskar)

Seit 1995 unterstützt der Zoo Zürich den Schutz des Masoala-Nationalparks im Nordosten Madagaskars. Der Park umfasst rund 240.000 Hektar tropischen Regenwald und ist eines der artenreichsten Gebiete der Erde. Der Zoo finanziert Ranger-Patrouillen, Aufforstungsprojekte, Umweltbildung für die lokale Bevölkerung und wissenschaftliche Forschung. Ein Schwerpunkt liegt auf der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen durch die Anwohner, um den Druck auf den Wald zu reduzieren.

Kaeng Krachan Projekt (Thailand)

Im Kaeng Krachan Nationalpark unterstützt der Zoo Zürich den Schutz der dort lebenden Asiatischen Elefanten und anderer bedrohter Arten. Das Projekt umfasst Anti-Wilderei-Massnahmen, Konfliktvermeidung zwischen Elefanten und der lokalen Bevölkerung sowie Habitatschutz.

Lewa Wildlife Conservancy (Kenia)

Die Lewa Wildlife Conservancy in Zentralkenia ist ein über 25.000 Hektar grosses Schutzgebiet, das sich besonders dem Schutz von Nashörnern und Grevyzebras widmet. Der Zoo Zürich unterstützt die Conservancy seit über 20 Jahren finanziell und fachlich. Die Lewa Wildlife Conservancy ist ein Modellprojekt für den gemeindebasierten Naturschutz in Ostafrika und konnte die Nashornpopulation in ihrem Gebiet von wenigen Tieren auf über 200 steigern.

Naturschutzfranken

Der Zoo Zürich investiert jährlich mehrere Millionen Franken in seine Naturschutzprojekte. Ein Teil des Eintrittspreises fliesst als sogenannter Naturschutzfranken direkt in die Projektarbeit. Diese Verknüpfung von Zoobesuch und Naturschutz macht für die Besucher greifbar, dass ihr Eintritt einen konkreten Beitrag zum Erhalt bedrohter Lebensräume leistet.

Naturschutzzentrum

Das Naturschutzzentrum des Zoo Zürich ist die zentrale Anlaufstelle für Umweltbildung und Wissensvermittlung. Es bietet Führungen, Workshops und Vorträge für verschiedene Zielgruppen an, von Schulklassen über Familien bis hin zu Fachpublikum.

Im Naturschutzzentrum werden die Artenschutzprojekte des Zoos vorgestellt und die Zusammenhänge zwischen Biodiversitätsverlust, Lebensraumzerstörung und dem Beitrag zoologischer Gärten zum Naturschutz erläutert. Interaktive Ausstellungen machen ökologische Zusammenhänge erlebbar.

Für Tierpfleger in Ausbildung ist das Naturschutzzentrum ein wichtiger Ort, um Kommunikationsfähigkeiten zu entwickeln. Die Vermittlung von Wissen an Besucher gehört zu den Aufgaben moderner Tierpfleger, und das Naturschutzzentrum bietet dafür Schulungen und Übungsmöglichkeiten.

Ausbildung und Praktika

Der Zoo Zürich ist einer der grössten und wichtigsten Ausbildungsbetriebe für Tierpfleger EFZ Fachrichtung Wildtiere in der Schweiz. Er bildet jährlich mehrere Lernende aus und bietet darüber hinaus Praktikumsplätze für verschiedene biologische und veterinärmedizinische Studiengänge an.

Die Ausbildung im Zoo Zürich ist besonders vielfältig, da die Lernenden in verschiedenen Revieren eingesetzt werden und so Erfahrungen mit einer breiten Palette von Tierarten sammeln: von tropischen Regenwaldtieren in der Masoala Halle über Grosssäuger im Elefantenpark und in der Lewa Savanne bis hin zu einheimischen Arten und Aquaristik. Die Lernenden werden von erfahrenen Berufsbildnern betreut und in das Team integriert.

Neben der regulären Lehre bietet der Zoo Zürich auch Schnupperlehren an, die Jugendlichen einen ersten Einblick in den Beruf des Tierpflegers ermöglichen. Die Nachfrage nach Lehrstellen im Zoo Zürich ist sehr hoch, weshalb gute schulische Leistungen und einschlägige Praktika als Voraussetzung gelten.

Quellen und weiterführende Links

Wissen testen: Zoo Zürich