Nashörner im Zoo (Rhinocerotidae)

Nashörner zählen zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Großsäugetieren der Erde. Die Haltung in zoologischen Gärten dient nicht nur der Bildung und Forschung, sondern ist ein zentraler Baustein für die Erhaltungszucht und den Artenschutz. Fünf Nashornarten existieren weltweit, von denen drei regelmäßig in europäischen Zoos gehalten werden. Die Pflege dieser imposanten Tiere erfordert spezifische Kenntnisse in Hautpflege, Hufmanagement, Ernährung und einem durchdachten Trainingskonzept im Protected Contact.

Steckbrief: Nashornarten in Zoos

Merkmal Breitmaulnashorn Spitzmaulnashorn Panzernashorn Sumatra-Nashorn
Wissenschaftlicher Name Ceratotherium simum Diceros bicornis Rhinoceros unicornis Dicerorhinus sumatrensis
Gewicht 1.800 bis 2.500 kg 800 bis 1.400 kg 1.800 bis 2.700 kg 600 bis 950 kg
Schulterhöhe 160 bis 185 cm 140 bis 170 cm 160 bis 186 cm 100 bis 150 cm
Hörner 2 Hörner 2 Hörner 1 Horn 2 Hörner
Lebenserwartung Zoo 35 bis 45 Jahre 35 bis 45 Jahre 35 bis 50 Jahre 30 bis 35 Jahre
Tragzeit 16 Monate 15 Monate 16 Monate 15 bis 16 Monate
IUCN-Status Near Threatened Critically Endangered Vulnerable Critically Endangered
Ernährungstyp Grazer (Grasfresser) Browser (Laubfresser) Grazer/Mischfresser Browser

Gehegeanforderungen

Nashorngehege müssen den massiven Körperbau und die spezifischen Bedürfnisse der Tiere berücksichtigen. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Art, insbesondere hinsichtlich Temperatur und Substrat.

Mindestanforderungen

Parameter Afrikanische Arten Panzernashorn
Außengehege (1 bis 2 Tiere) min. 500 m² (EAZA empfiehlt 2.000 m²+) min. 500 m² (EAZA empfiehlt 2.000 m²+)
Innengehege pro Tier min. 20 m², Höhe min. 3 m min. 20 m², beheizt min. 15 °C
Schlammsuhle Obligatorisch, min. 20 m² Obligatorisch, min. 30 m²
Sandflächen Empfohlen zum Suhlen Empfohlen
Wasserbecken Empfohlen Obligatorisch, Panzernashörner baden regelmäßig

Gehegegestaltung

Panzernashorn: Wasserzugang essentiell

Panzernashörner (Rhinoceros unicornis) verbringen in der Natur einen erheblichen Teil des Tages im Wasser. Ein ausreichend großes und tiefes Wasserbecken (mindestens 50 m², Tiefe mindestens 80 cm) ist für die artgerechte Haltung unverzichtbar. Das Wasser muss regelmäßig gewechselt oder gefiltert werden, da Nashörner darin koten und urinieren. Die Wassertemperatur sollte mindestens 15 °C betragen.

Ernährung: Grazer vs. Browser

Die Unterscheidung zwischen Grasern (Grazer) und Laubfressern (Browser) ist bei Nashörnern von zentraler Bedeutung und bestimmt die gesamte Futterzusammensetzung.

Breitmaulnashorn (Grazer)

Spitzmaulnashorn (Browser)

Eisenüberladung (Iron Storage Disease)

Spitzmaulnashörner sind besonders anfällig für eine krankhafte Eisenüberladung der Leber (Hämochromatose). Ursache ist vermutlich eine genetische Prädisposition in Kombination mit eisenreicher Zoofütterung. Luzerneheu enthält weniger Eisen als Grasheu und ist daher für Browser-Nashörner besser geeignet. Eisenreiche Futtermittel (Spinat, Grünkohl, bestimmte Pellets) sollten vermieden oder reduziert werden. Regelmäßige Blutuntersuchungen zur Kontrolle des Ferritin-Spiegels sind obligatorisch.

Hautpflege und Schlammbäder

Die Hautpflege gehört zu den wichtigsten Aspekten der täglichen Nashornpflege. Die dicke, fast haarlose Haut der Nashörner ist anfällig für Austrocknung, Risse und Parasitenbefall.

Hufpflege und Training

Hufprobleme sind eine der häufigsten Gesundheitsprobleme bei Nashörnern in Menschenobhut. Die Hufe nutzen sich auf weichen Zooböden weniger ab als in der Natur und können übermäßig wachsen oder Risse entwickeln.

Regelmäßige Hufpflege

Protected Contact Training

Das Training im Protected Contact ist bei Nashörnern Standard. Der Pfleger arbeitet grundsätzlich hinter einer Schutzbarriere (Stahlrohr-Gitter). Durch positive Verstärkung (Futterbelohnung) werden die Tiere an verschiedene Verhaltensweisen gewöhnt.

Zuchtprogramme und Artenschutz

Nashörner gehören zu den Flaggschiffarten des internationalen Artenschutzes. Die Zucht in Zoos ist ein essenzieller Bestandteil der Überlebensstrategie für mehrere Arten.

EEP-Programme

BioRescue-Projekt (Nördliches Breitmaulnashorn)

Das Nördliche Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni) ist mit nur zwei lebenden Weibchen funktionell ausgestorben. Das internationale BioRescue-Projekt unter Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW Berlin) arbeitet an der Rettung der Unterart durch assistierte Reproduktion. Eizellen der letzten Weibchen (Najin und Fatu im Ol Pejeta Conservancy, Kenia) werden entnommen, mit kryokonserviertem Sperma verstorbener Bullen befruchtet und als Embryonen in Leihmütter (Südliche Breitmaulnashörner) transferiert. Dieses Projekt steht symbolisch für die Verbindung von Zooforschung und Artenschutz.

Gesundheit

Neben den bereits erwähnten Hufproblemen und der Eisenüberladung gibt es weitere nashornspezifische Gesundheitsthemen.

Häufige Gesundheitsprobleme

Problem Betroffene Arten Ursachen Maßnahmen
Huferkrankungen Alle Arten Übermäßiges Hornwachstum, feuchte Böden, Bakterien Regelmäßiger Hufschnitt, trockene Liegeflächen, Antibiotika bei Infektionen
Hämochromatose Spitzmaulnashorn, Sumatra-Nashorn Genetische Prädisposition, eisenreiche Fütterung Eisenarme Diät, Aderlass, Ferritin-Monitoring
Hautprobleme Alle Arten, besonders Panzernashorn Trockene Haut, fehlende Suhle, Pilze, Parasiten Suhle bereitstellen, Hautpflege, Antimykotika
Kolik und Verdauungsstörungen Alle Arten Futterumstellung, Sandaufnahme, Zahnprobleme Konstante Fütterung, Zahnkontrolle, tierärztliche Behandlung
Tuberkulose Alle Arten Mycobacterium tuberculosis/bovis Regelmäßiges Screening (Trunk Wash), Quarantäne bei Neuzugängen

Quellen und weiterführende Literatur

Wissen testen: Nashorn