Gehege- und Volumenberechnung

Die Berechnung von Gehegeflächen und Wasservolumen gehört zum täglichen Arbeitsbereich in der Tierpflege. Die Mindestmaße für die Haltung von Wildtieren sind in verschiedenen Gutachten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) festgelegt. Bei Neuplanungen, Umbauten und behördlichen Kontrollen müssen Tierpfleger in der Lage sein, Flächen und Volumen korrekt zu berechnen und mit den gesetzlichen Mindestanforderungen abzugleichen.

Flächenformeln

Gehegeflächen haben in der Praxis selten eine perfekte geometrische Form. Oft müssen sie in einfachere Teilflächen zerlegt werden, die einzeln berechnet und dann addiert werden. Die wichtigsten Grundformen sind:

FormFormelVariablen
RechteckA = a x ba = Länge, b = Breite
QuadratA = a2a = Seitenlänge
KreisA = pi x r2r = Radius (pi = 3,14159)
HalbkreisA = pi x r2 / 2r = Radius
TrapezA = (a + c) / 2 x ha, c = parallele Seiten, h = Höhe
DreieckA = g x h / 2g = Grundseite, h = Höhe

Unregelmäßige Flächen

Bei unregelmäßig geformten Gehegen wird die Fläche in bekannte Teilflächen zerlegt. Beispiel: Ein L-förmiges Gehege wird in zwei Rechtecke aufgeteilt, deren Flächen addiert werden. Alternativ kann eine große Rechteckfläche berechnet und der fehlende Teil subtrahiert werden. Bei natürlich geformten Gehegen (z.B. Teichanlagen) kann die Fläche durch ein engmaschiges Raster approximiert werden.

Volumenformeln

Volumenberechnungen sind notwendig für Aquarien, Terrarien, Wasserbecken, Teichanlagen und Innengehege. Die grundlegende Umrechnung lautet: 1 m3 = 1.000 Liter. Diese Umrechnung ist eine der am häufigsten benötigten in der Tierpflege.

KörperFormelVariablen
QuaderV = a x b x ha = Länge, b = Breite, h = Höhe
WürfelV = a3a = Kantenlänge
ZylinderV = pi x r2 x hr = Radius, h = Höhe
KugelV = 4/3 x pi x r3r = Radius
HalbkugelV = 2/3 x pi x r3r = Radius
Teich (vereinfacht)V = L x B x dL = Länge, B = Breite, d = durchschnittl. Tiefe

Teichvolumen genauer berechnen

Die vereinfachte Formel (L x B x d) überschätzt das Volumen bei natürlich geformten Teichen erheblich, da Teiche zum Rand hin flacher werden. Ein Korrekturfaktor von 0,5 bis 0,8 ist realistischer. Für ovale Teiche gilt: V = pi x a x b x d x 0,5 bis 0,8 (a und b sind die Halbachsen der Ellipse).

Wichtige Umrechnungen

VonNachFaktor
1 m3Literx 1.000
1 Literm3/ 1.000
1 cm3ml= 1
1 m2cm2x 10.000
1 ham2x 10.000

Interaktiver Rechner

Beispielaufgaben

Aufgabe 1: Löwengehege

Ein Zoo plant ein neues Löwengehege für ein Paar und drei weitere Tiere. Das Gehege soll rechteckig sein. Die Mindestfläche laut Säugetiergutachten beträgt 200 m2 für ein Paar plus 50 m2 je weiteres Tier. Das Gehege ist 25 m lang. Wie breit muss es mindestens sein?

Lösung:

Mindestfläche = 200 + (3 x 50) = 200 + 150 = 350 m2

Breite = 350 / 25 = 14 m

Antwortsatz: Das Löwengehege muss mindestens 14 m breit sein, um die Mindestfläche von 350 m2 zu erreichen.

Aufgabe 2: Rundes Wasserbecken für Eisbären

Für eine Eisbärenanlage soll ein rundes Wasserbecken mit einem Durchmesser von 8 m und einer durchschnittlichen Tiefe von 2,5 m gebaut werden. Wie viel Liter Wasser fasst das Becken?

Lösung:

Radius = 8 / 2 = 4 m

Volumen = pi x 42 x 2,5 = 3,14159 x 16 x 2,5 = 125,66 m3

Liter = 125,66 x 1.000 = 125.664 Liter

Antwortsatz: Das Becken fasst rund 125.664 Liter (125,7 m3) Wasser.

Aufgabe 3: Trapezförmiges Vogelgehege

Ein Vogelgehege hat die Form eines Trapezes. Die parallelen Seiten sind 18 m und 12 m lang, der Abstand zwischen ihnen (Höhe) beträgt 10 m. Berechne die Fläche.

Lösung:

A = (18 + 12) / 2 x 10 = 30 / 2 x 10 = 15 x 10 = 150 m2

Antwortsatz: Das trapezförmige Vogelgehege hat eine Fläche von 150 m2.

Aufgabe 4: Aquarium in Litern

Ein Süßwasseraquarium ist 150 cm lang, 60 cm breit und 50 cm hoch. Der Wasserstand beträgt 45 cm. Wie viel Liter Wasser enthält das Aquarium?

Lösung:

Umrechnung in Meter: 1,50 m x 0,60 m x 0,45 m

Volumen = 1,50 x 0,60 x 0,45 = 0,405 m3

Liter = 0,405 x 1.000 = 405 Liter

Antwortsatz: Das Aquarium enthält 405 Liter Wasser.

Aufgabe 5: Zusammengesetztes Gehege

Ein Wolfsgehege besteht aus einem rechteckigen Hauptbereich (30 m x 20 m) und einem dreieckigen Erweiterungsbereich (Grundseite 20 m, Höhe 8 m). Berechne die Gesamtfläche. Reicht sie für ein Rudel von 7 Wölfen (Mindestfläche: 500 m2 für 5 Tiere, +50 m2 je weiteres)?

Lösung:

Rechteck: 30 x 20 = 600 m2

Dreieck: 20 x 8 / 2 = 80 m2

Gesamtfläche = 600 + 80 = 680 m2

Mindestfläche für 7 Wölfe = 500 + (2 x 50) = 600 m2

680 m2 > 600 m2

Antwortsatz: Die Gesamtfläche von 680 m2 überschreitet die Mindestanforderung von 600 m2 für 7 Wölfe um 80 m2.

Aufgabe 6: Kugelförmiges Terrarium

Ein kugelförmiges Schauterrarium hat einen Durchmesser von 1,2 m. Berechne das Volumen in Litern.

Lösung:

Radius = 1,2 / 2 = 0,6 m

V = 4/3 x pi x 0,63 = 4/3 x 3,14159 x 0,216 = 0,905 m3

Liter = 0,905 x 1.000 = 905 Liter

Antwortsatz: Das kugelförmige Terrarium hat ein Volumen von rund 905 Litern.

Mindestmaße aus dem Säugetiergutachten

Das Säugetiergutachten des BMEL (zuletzt überarbeitet 2014) legt die Mindestanforderungen für die Haltung von Säugetieren in Zoos und ähnlichen Einrichtungen fest. Die genannten Maße sind gesetzlich bindende Mindestanforderungen. In der Praxis sollten Gehege deutlich größer dimensioniert werden. Für Vögel gilt das Papageiengutachten bzw. das Gutachten zur Haltung von Greifvögeln und Eulen, für Reptilien das Reptiliengutachten.

TierartAußengehege (Mindestfläche)InnengehegeBesonderheiten
Afrikanischer Elefant2.000 m2 (bis 3 Tiere)200 m2+ 500 m2 außen je weiteres Tier, Badebecken
Asiatischer Elefant2.000 m2 (bis 3 Tiere)200 m2+ 500 m2 außen je weiteres Tier, Badebecken
Giraffe500 m2 (Paar)100 m2+ 150 m2 je weiteres Tier, Stallhöhe mind. 5 m
Flusspferd250 m2 (Paar)30 m2Wasserbecken mind. 40 m2, Tiefe mind. 1,5 m
Afrikanischer Löwe200 m2 (Paar)15 m2+ 50 m2 je weiteres Tier
Tiger200 m2 (Paar)15 m2+ 50 m2 je weiteres Tier, Badebecken
Braunbär500 m2 (Paar)10 m2+ 100 m2 je weiteres Tier, Badebecken erforderlich
Eisbär500 m2 (Paar)20 m2+ 100 m2 je weiteres Tier, Wasserbecken mind. 50 m2
Wolf500 m2 (Rudel bis 5)nicht zwingend+ 50 m2 je weiteres Tier
Schimpanse200 m2 (Gruppe bis 5)50 m2+ 20 m2 je weiteres Tier, Kletterbäume, Höhe mind. 4 m
Gorilla200 m2 (Gruppe bis 5)50 m2+ 20 m2 je weiteres Tier
Orang-Utan200 m2 (Paar)50 m2+ 20 m2 je weiteres Tier, Klettermöglichkeiten
Rotfuchs30 m2 (Paar)nicht zwingend+ 5 m2 je weiteres Tier, Grabmöglichkeit
Fischotter60 m2 (Paar)4 m2Wasserbecken mind. 8 m2, + 20 m2 je weiteres Tier
Nashorn (alle Arten)500 m2 (Paar)30 m2+ 200 m2 je weiteres Tier, Suhle erforderlich
Zebra400 m2 (Paar)12 m2+ 100 m2 je weiteres Tier
Känguru (große Arten)200 m2 (bis 5 Tiere)15 m2+ 20 m2 je weiteres Tier
Erdmännchen20 m2 (Gruppe)5 m2Grabfähiger Boden, Sichtschutz
Seehund100 m2 Landfläche (Gruppe)nicht zwingendWasserbecken mind. 100 m2, Tiefe mind. 1,5 m

Wichtiger Hinweis zu Mindestmaßen

Mindestmaße sind die absolute Untergrenze, die niemals unterschritten werden darf. Sie stellen keine Empfehlung für eine artgerechte Haltung dar. Moderne Zoos planen Gehege deutlich großzügiger als die Mindestmaße vorsehen. Bei der Prüfung wird erwartet, dass die Mindestmaße bekannt sind und korrekt angewendet werden können.

Prüfungshinweis

In der Prüfung werden häufig Aufgaben gestellt, bei denen aus gegebenen Gehegemaßen die Fläche berechnet und mit den Mindestmaßen verglichen werden muss. Typisch ist auch die Berechnung, wie viele Tiere in einem gegebenen Gehege maximal gehalten werden dürfen. Der Rechenweg muss immer vollständig aufgeschrieben werden.

Quellen: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren (2014); EAZA Standards for the Accommodation and Care of Animals in Zoos and Aquaria

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